Montag, 16. September 2013

Geschafft! -oder- Ich sollte öfters Wettkämpfe im Regen laufen


Sonne wir überbewertet. Generell und beim Laufen sowieso. Und jetzt wo ich gerade mit einem Ohr (das andere schläft noch) die dicken Tropfen auf das Dachfenster aufschlagen höre, ist mir das wirklich fast egal. Es ist nämlich noch mitten in der Nacht. Gerade haben wir uns hingelegt, nachdem wir bis 2.00 Uhr mit unserer Tochter über ihren Urlaub gequatscht hatten. Und nun wieder das bekannte Prasseln des Regens. Seit ein paar Tagen hat er das Sonnenregime gestürzt und mit ihm die Temperaturen. Die Wege im Wald hat er teilweise zu Bachbetten umfunktioniert und auch der letzet Rest von Trockenheit ist verschwunden. Na ja , wenigstens staubt es dann nicht wenn wir laufen.
Um 8:15 war die Nacht vorbei, kurz frühstücken, Pias Auto zum Beckenhof fahren (dort endet ihr Teilstück der Staffel) und dann mit meinem Auto zurück zur Wasgauhalle wo wir die anderen unseres Laufteams trafen. Natürlich gab es nur ein Thema-die Wetterverhältnisse und ihr Auswirken auf den Wettkampf.
Auch mein Zugpferd (oder auch Drill Instructor genannt) war da. Er der diesen HM mit seinen etwa 360 Hm auch in 1:22 laufen kann, sollte versuchen mich unter die 1:43:06 zu ziehen, meine bisherige Bestleistung auf dieser Strecke. Doch erstens ist die schon ein paar Jahre alt und zweitens war es damals trocken und sonnig. Einig waren wir uns dahingehend, dass wir auf der ersten Hälfte Gas geben müssen, denn auf der zweiten Hälfte würden wir Zeit verlieren. Ansonsten hieß seine Devise-einfach schnell laufen.
Während wie Hm-Läufer erst um 11.00 Uhr starten würden, hieß es für unsere Marathonstaffeln schon um 10.30 Uhr los zu laufen. Pia, die in einer Mix Staffel den ersten Part übernehmen würde und ziemlich nervös war.
Wir begaben uns also zum Exerzierplatz von wo der Start erfolgen würde.
Ein Teil unserer Gruppe, andere warn schon am Start oder an den Wechselpunkten.
Kaum zu bändigen war sie vor dem Start :-)
Gleich geht´s los !
Und ab!
Eine Besónderheit gab es dieses mal. Waren ansonsten das DRK mit Quads unterwegs, verließen sie sich nun auf die natürlichen Quads:
Eine tolle Idee, denn die kommen überall hin wo Läufer evtl. verletzt wären!
Für mich hieß es nun auch langsam ein bisschen warm zu laufen. Denn vom Wetter her würden wir sicherlich nicht warm bekommen. Etwa 15° und Regen der sich mit Nieselregen abwechselte, das war es kurz gesagt für den Rest des Tages.
Letzte Anweisungen von meinem "Zugpferd" Uwe, während sich Hans nun begann auszuziehen.
Es ging los! Ich kenne die Strecke wirklich, jeden Schritt könnte ich im Traum nachgehen, doch sie wird dadurch nicht leichter. Wirklich nicht. Das Profil sieht so aus :

Jedoch sind die Höhen hier durch das Programm überzeichnet-wir waren nur zwischen 285m und 430 m unterwegs.
Ok heißt also die ersten Kilometer würden schnell werden. Dazu ging es bis zu km3 etwa über Asphalt. Und wir waren schnell! Kilometerschnitte unter 4 min liefen wir und wir war es doch ein wenig mulmig, wusste nicht wie sich das später auswirken würde. So langsam wurde es eben und der Schnitt stieg auf etwa 4:25. Nun kurz über die gesperrte B10 und ab in den Wald! In fast jedem Training wird genau dieses Teilstück gelaufen. Ein welliges Profil mit ein paar kurzen Anstiegen führte uns zum Eisweiher. mein Puls war jetzt schon ziemlich hoch, doch genaues kann ich nicht sagen, denn ich vergaß meinen Pulsgurt :-(
 
Es kam der erste VP den ich, wie alle folgenden, einfach durchlief. Es war nass genug von oben und zu warm war es auch nicht-jedenfalls von außen, denn ich dampfte genug. Der erste richtige Anstieg begann-das Mordloch. Es scheint es würde nicht schon Jahrhunderte so heißen, sondern es hätte seinen Namen von den Läufern bekommen die sich hier hoch quälen. Schritt für Schritt, immer weiter, nicht durch die Auswaschungen laufen, weiter atmen-einfach Schritt vor Schritt. Es war natürlich viel härter als im Training, denn ich war deutlich schneller-nur Uwe der locker vor mir her trabte, schien das überhaupt nichts auszumachen. Endlich nach etwa 6-700 Metern wurde es flacher. Wie lange doch 700 Meter sein können! Tempo 5:36. Normalerweise würde ich nun die Sache locker angehen, mich ein wenig ausruhen beim Weiterlaufen-doch nicht heute. Tempo wurde nun wieder gemacht- ach ja die ersten 5km hatten wir in 22:30 hinter uns gebracht. Noch immer stieg es leicht an, bis schließlich der Scheitelpunkt erreicht war.
Vorbei an der Platte-noch sind wir nicht ganz oben
Es ging endlich bergab, und wie ! Kontrolliert so schnell wie möglich zu laufen, war die Devise. Anfangs noch gut möglich, doch kurz vor dem Beckenhof war es durch die extrem ausgewaschenen Passagen eher ein kontrolliertes "Bergabstürzen" Doch wir stürzten nicht, sondern liefen durch den Beckenhof weiter. Pia und die anderen nahm ich am Streckenrand nicht wahr-zu schnell-oder soll ich sagen zu außer Atem ? :-)
Ab durch den Beckenhof -die Beine sind gezeichnet

Die nun folgenden Kilometer führten teilweise durch recht dicht bewachsene Wege, verliefen ziemlich wellig (gerade ein so blöder Anstieg war volle Schottersteine, was ihn so besonders beliebt macht) doch in der Summe weiter bergab bis km 11. Zeit für die ersten 10km 44:07. Ach du meine Güte, ich wusste ich würde bald dafür zahlen! 
Uwe hatte mich immer im Blick!
Leichtigkeit sind anders aus :-)
Wir überquerten die Brück der B10 und erreichten den nächsten Hof, den Hombrunnerhof. Nun folgte ein längere Abschnitt über einen Radweg der sich bis zum nächsten schweren "Berg" hinzieht. Er führt ständig leicht bergauf, aber in letzter Zeit sind mir gerade diese Teile sehr lieb geworden, denn hier kann ich mein Tempo meist gut halten.Von km 11 bis 14 sind etwa 30 Höhenmeter zu überwinden und die legten wir im Schnitt mit etwa 4:50/km zurück.Die Beine waren nun schon müde, der Kopf wollte auch nicht mehr, denn er wusste es-bald würde es schwer werden, so richtig fies-die Fumbach kam! Ich kenne wirklich keinen der dort gerne hoch läuft. Entweder ist es sandig und tief, oder matschig und tief, dazu 30cm tiefe Rinnen die kreuz und quer über den Weg kreuzen. Ach ja-und steil ist er auch noch. Ich wusste genau ,der schlimmste Teil war nur etwa 700m lang, dann war man noch lange nicht oben, aber das steilste Stück war geschafft. Es tat richtig weh. Ich weiß nicht ob der strenge Blick von Uwe vor mir noch Wirkung zeigte, denn zweimal ging ich wirklich. Nur so 3m vielleicht jeweils, aber ich war alle. 
Trotzdem wieder anlaufen, weiter. Noch eien Biegung mach rechts, weiter hoch. eine nach links-gleich! Noch mal nach rechts, etwas flacher weiter und....es wurde richtig flach. Das waren keine 95%, oder 99%- das war alles was nur drin war. Stehend k.o. alles drängt einem sich einfach hinzulegen. doch auf der anderen Seite waren wieder 80 Höhenmeter geschafft!  Also weiter, weiter laufen, weiter Tempo machen! 6:18/km für den Anstieg, jetzt würde es wieder schneller gehen. Ein weiteres welliges Stück folgte. Man verlor einige Höhenmeter, nur um sie dann wieder zu "gewinnen". Doch schön zu laufen- wenn man im Training ist. Und die Wege waren nun eher..mmhh seht selbst:
Schon vor einigen Kilometer meinte Uwe zu mir : "Tue mir einen Gefallen und hole den da vor uns ein, der ist so grell angezogen, das tut in den Augen weh!" Doch daran war nicht zu denken. der Abstand von vielleicht 100m verringerte sich nicht. Wir waren noch nicht oben, nein wirklich nicht. Der nächste Bergauf Teil kam-hoch zum Tierheim und zum Sommerwald. Nur dieser Teil war sehr gut zu laufen, fester Untergrund und keine Unebenheiten. Kurz bevor es dort hoch ging, fing mich noch mal Wolfgang mit seiner Kamera ein:
Da hinten kommt er-der Anstieg hoch zum Sommerwald. Allerdings sieht man hier nicht den agnzen Weg, der steilere Abschnitt ist weiter oben.
War ich vorher ko- war ich nun bereit für die Kiste. Ich weiß nicht wie ich da hoch kam, aber ich kam hoch. Und wieder die Erinnerung wie leicht ich dort im Training hoch laufen konnte. Doch so langsam begann ich zu rechnen. Wieviel Kilometer waren es nun ? Ca 17. Und wie lange war ich unterwegs? Ok, das könnte reichen. Leider hatte, wie sich später herausstellte meine Garmin einen ganz, ganz schlechten Tag und mal gerade 2 Minuten geschluckt. Einfach so. Fehlten einfach. Passierte noch nie. Also dass die Entfernung mal nicht hinhaute geschah schon mal, aber dass mir einfach 2 Minuten abhanden kamen??? Egal ich rechnete und rechnete eben falsch. 
Endlich waren wir oben, machten eine scharfe Wende nach links und waren nun wieder auf der Straße. Ohne Problem könnte man, wenn es eben möglich wäre nun ständig bergab bis ins Ziel laufen. Könnte- kann man aber nicht. Denn wieder ging es erst leicht bergab, dann wieder hoch, dann wieder steiler bergab, dann bergauf durch ein Wäldchen, dann noch steiler eine Rampe herunter um dann letztendlich zum höchsten punkt der Strecke bergauf zu führen. Dieser liegt etwa bei km 18 und ist 435m hoch. War mir egal, für mich waren es tausend Meter mehr! Nur der Gedanke, dass es gleich bergab ging hielt mich aufrecht, die Pace der letzten beiden Kilometer um die 5:30/km. mehr war nicht drin. Also linsk ab, dann scharf rechst über die Wiese an deren Rand ich mir sonst die Brombeeren pflückte, nur eben heute nicht. Sah keine Brombeeren, den regen spürte ich schon lange nicht mehr. Jetzt links ab und steil bergab, laufen lasssen, aktiv mitlaufen! Noch immer war das bunte Tuch vor uns, kaum näher. Ich lief noch aktiver den Berg runter holte langsam auf, Uwe hetzte weiter. Km 19  war vorbei Tempo 4:21. Nun unter der Unterführung vorbei auf die etwa 600 Meter lange Gerade -und hier zog ich vorbei. Mir war egal ob sie mich (es waren mittlerweile zwei die sich scheinbar gefunden hatten) noch holen würden, ich war vorbei. Uwe sagte was wie "es wird ganz knapp mit der 1:40" aber ich hatte ja eien ganz andere Zeit auf der Uhr, eine bessere. 
Wir kamen am Altenheim vorbei und dann war er da, der wirklich letzte verfluchte Anstieg, die letzten 2-300 m ging es wieder bergauf. Und wieder steil. Es war zum Heulen, ich wusste genau was auf mich zukam und es half nichts. Uwe feuerte an-ich trottete hinauf. Endlich-da oben standen Leute. Da ging es rein zur Halle, über den roten Teppich, ins Ziel! Letzte Reserven mobilisieren, Uwe ließ mich vorbei, ich bag ab, ene steile Rampe rein in die Halle, eine Bogen nach links, viele Zuschauer standen da-ich sah nur die Frau mit dem Scanner! Sie wehrte abwehrend die Hände hoch, hatte wohl Angst ich würde sie überrennen, doch natürlich stoppte ich. :-)
Pia erwartete mich schon. Sie gratulierte mir, doch zu was ? Die Zieluhr zeigte nur die Marthonzeit an und rechnen war nicht mehr drin, also schnell zur Zeitmessung- 1:40:33 ! Gesamt 30. von 315 die ins Ziel kamen und 6. in der M50. ;-)
Die 1:40 zwar verfehlt, aber die war auch nicht (noch nicht) mein Ziel hier gewesen. Ich hatte mich um 2,5 Minuten verbessern können! Und das ohne spezielles Training, außer den Läufen mit dem Laufteam. Ich war richtig zufrieden und glücklich. Wenn man bedenkt, dass meine PB auf einer geraden Strecke mit 1:38:35 schon über 5 Jahre alt ist, bin ich nun wieder motiviert auch die mal anzugreifen. Also nicht alles auf das Alter schieben! :-)
ohne Worte
Und das war noch nicht alles-unsere Teams haben richtig abgeräumt !
Pia wurde mit ihrer Mixstaffel mit 3:25:24 zweite in ihrer Ak und die beiden anderen sogar erste in ihrer jeweiligen Ak mit 3:25:40 und 3:31:16 ! dazu noch ein hervorragender Platz von Thorsten der mit 1:26:26 Gesamt 8. wurde und in der M35 3. Nicht zu vergessen der erste Platz für Katja, die obwohl sie "gemütlich" mit Freundinnen lief in der W30 gewann.
Der letzte Läufer fehlt, er war schon nach Hause gegangen
Gute Stimmung danach
Ein tolles Ergebnis für uns alle! Der einzige Kritikpunkt war das lange Warten auf die Siegerehrungen. Sie begann erst etwa gegen 16.00 glaube ich und dauerte bis 17:45. Natürlich gab es wirklich viele Preise zu vergeben, aber ich denke den zeitlichen Ablauf sollte man doch mal überdenken. Vielleicht die HM Läufer vorher ehren z.B. 
Insgesamt jedoch soll das nicht den Pfälzerwaldmarathon trüben. Es ist eine immer noch juneg Veranstaltung die nur von wenigen Personen gestemmt wird und cih werde sicherlich, wenn ich kann, nächstes Jahr wieder dabei sein. Vielleicht dann auch mal wieder auf der langen Distanz.
Eines noch: Die Bilder stammen größtenteils nicht von mir sondern wurden mir von Hans und Wolfgang, sowie von Pia zur Verfügung gestellt-vielen Dank!!!!

Kommentare:

Hans Pertsch hat gesagt…

Doppeltes Lob, klasse gelaufen, klasse geschrieben.

Anonym hat gesagt…

HM in 1:40h geht leicht über die Lippen. Was auf einer Strecke wie dem PWM dahinter steckt, kann nur annähernd erahnen, wer "am Berg schon sterben wollte". Dein Bericht bringt das klasse rüber. Kampf um die Sekunden. Nächstes Jahr bin ich wieder mit von der Partie.

LG Wolfgang

Blumenmond hat gesagt…

Das hört sich ja richtig nach Arbeit an. ;-) Glückwunsch an der Stelle noch mal.

weinbergschnecke hat gesagt…

Richtig stark, lieber Martin! Herzlichen Glückwunsch zur neuen PB! Wenn du dich nochmal verbessern willst, musst du nur eine flache Strecke suchen, dann wirst du diese Zeit pulverisieren. Toll gemacht auch von Pia - ebenfalls herzlichen Glückwunsch zur prima Staffelplatzierung! :-)

Markus hat gesagt…

Toller Bericht und herzlichen Glückwunsch zu der klassen Zeit!

Peter Grün hat gesagt…

Superklasse Zeit, die Du gelaufen bist, herzlichen Glückwunsch zur PB lieber Martin. Genauso wie Du es beschrieben hast ging es mir auch vor 2 Jahren - die Fulmbach und dann der lange Anstieg bis zu den ersten Häusern, das zieht einem die letzte Kraft aus den Beinen, man denkt das geht nie zu Ende. Ein klasse emotionaler Bericht. Hut ab vor Deiner Leistung und der Leistung von Pia. Erholt Euch gut.
Grüsse vom Naheland, Peter

Jo hat gesagt…

Der Schlamm sieht nach viel Spaß aus ;)
Die Bestzeit auf flacher Strecke ist jetzt aber sowas von fällig!

Martin hat gesagt…

@Hans:
Ich habe einen guten Lehrmeister :-)
@Wolfgang
Na das hoffe ich doch! und vielleicht sind es dann wieder über 20° :-)
@Anja:
War auch viel Arbeit :-) Aber ab und zu muss das mal sein-du kennst das ja
@Anne:
Ja das mit der flachen Strecke werde ich wohl erst im Dezember angehen könnne mit der Winterlaufserie. Vorher kommt Heidelberg :-)
@Markus:
Danke sehr!
@Peter Grün:
Ich laufe ja diesen Lauf jedes Jahr mit, meistens aber den Marathon. Nur diess Mal wollte ich lieber was kürzeres :-)
Aber leichter war es dadurch nicht
@Jo:
Der Schlamm hat auch nicht wirklich gestört und langsamer war ich dadurch glaube ich auch nicht. Und ich dachte bis vor kurzem ich könnte niemals wieder an die 1:43 dort herankommen :-)

Ariana Röthlisberger hat gesagt…

Ganz herzliche Gratulation zu den hervorragenden Leistungen! Der Artikel hat mir den Heimweg versüsst und ich war von Anfang bis Ende gefesselt - besonders bei diesen "Weg" Konditionen finde ich überhaupt nur laufen genial!

Liebe Grüsse
Ariana

Jörg hat gesagt…

Gratulation. Ich fand die Zeit erst gar nicht so toll für deine Verhältnisse, bis ich da Profil sah.

Jörg