Sonntag, 24. März 2013

Sauerbraten-Tuning und Knödel-Endbeschleunigung

Boah (ich verspreche dieses Wort nur einmal zu nutzen) was war ich satt! Aber wenn es so gut schmeckt und man richtigen Appetit hat, werden Vernunft und Verstand gerne mal über Bord geworfen. Nicht aber die 5 Knödel die bleiben drin! So war das also am Samstag Abend. Und am Sonntag Morgen stand ich in recht "kühler" Luft (1° und Ostwind ergeben eine gute Kombination-das Fleisch bleibt frisch) in Kaiserslautern am Betzenberg und grübelte. 21,1 km wollten gelaufen werden, wobei ja jetzt nicht die Länge der Strecke, oder die Höhenmeter das Problem waren sondern die Zeit die ich dafür benötigen sollte. Zwei mal lief ich schon hier, einmal 2005 bei meinem allerersten HM und dann noch einmal  2006 mit 1:41:41. Diese Zeit hätte ich ja gerne geschafft, jedoch-ich habe so gut wie kein Tempotraining gemacht, geschweige denn Intervalle und ich bin 7 Jahre älter falls der Kalender Recht hat.  Dafür aber ohne Schnauzer im Gesicht. Ist ja auch was. Aber so um 1:43 müsste drin sein dachte ich mir und stellte meine Uhr dafür ein-und Runtastic. Um es gleich vorneweg zu nehmen: Heute hatte meine Uhr einen schlechten Tag, während die Angaben übers Handy-und damit Runtastic- perfekt waren. Alle Kilometer säuselte mir eine nette Frauenstimme, die gelaufenen Kilometer, meine Pace für den letzten Kilometer und die Gesamtlaufzeit an.Und dazwischen immer die Lieder aus meiner Playlist und die Anmfeuerungen meiner Freunde die mich eben über dieses Programm erreichten. Tolle Sache!
Aus meiner Laufgruppe dem Laufteam Pirmasens waren wir zu fünft-allesamt Männer und bis auf unseren Jungfuchs aus dem Saarland (Andreas), alle im besten Alter. Was nichts anderes bedeutet, als dass die Ausreden für schlechtes Abschneiden vermehrt angewendet werden können. Zusammen mit Peter lief ich mich zwei Kilometer ein und konnte dabei den ersten Anstieg begutachten. Eigentlich sehr zahm wie ich fand, in letzter Zeit hatte ich da andere erlebt-oder überlebt. Die Wahrscheinlichkeit die 1:43 zu packen stieg.
Noch ein kurzer Besuch an einer Buche und ich stand in der Menge. Wo waren die anderen? Peter (II) und Horst fand ich, aber Peter (I) und Andreas waren weiter vorne-eine bessere Wahl wie sich zeigen würde.
Es ging los. Uhr und Runtastic gestartet und den Hügel rauf! Natürlich waren wieder ein paar vor mir, die definitiv viel weiter nach hinten gehörten. Bedeutete also Zick-Zack Laufen und teilweise über den Randstreifen. Die Strecke führte zu 99% über Asphalt was mich aber nicht sonderlich störte. Es ist zwar nicht so schön wie auf Waldboden zu laufen, aber wie sagte Wessinghage einmal :" Asphalt ist ehrlich!" Keine Gefahr umzuknicken und du weißt der nächste Schritt wird wie der vorherige sein.
Im Gegensatz zur Vorhersage war das Wetter wirklich gut. Kein Schneetreiben sondern Sonne begleitete uns und gegen die Kälte konnte man sich ja schützen. Die ersten zwei Kilometer verliefen ereignislos. Ich überholte langsam, achtete aber darauf nicht zu überpacen. Die Steigung war genau so wie ich sie gerne habe. Nicht zu steil sondern gut zu laufen. Bis zu km 3 ging es weiter bergauf und zu meiner Verwunderung überholte ich da Andreas, der hier langsamer lief.
Nun ging es durch ein kurzes Waldstück und...bergab :-) Und zwar lange. Jedenfalls kam es einem so vor, und bis zu km 10 konnte man es richtig laufen lassen, auch wenn das Höhenprofil aussagt, dass es" nur "flach war. Apropos laufen lassen-ich ließ es laufen. Bergauf waren meine Kilometerschnitte zwischen 5:12 und 5:20 und nun hielten sie sich um die 4:35/km. Bemerkenswert für mich war, dass ich mich dabei so richtig wohl fühlte. Ich lief schnell, aber kontrolliert. Nicht auf letzter Rille sozusagen, denn meine Angst hinten hinaus abzuk...war zu groß.
Bei km 11 war der höchste Punkt der Strecke zu bewältigen und der Kilometer davor zog sich langsam hoch. Ich hielt mich zurück und blieb hinter einer Dreiergruppe die in etwas mein Tempo lief. Km 10 bis 12 in 4:47-5:09/km. Kaum war ich aber oben verließ ich die Gruppe und zog vorbei. Richtig beflügelt konnte ich nun den Rest angehen. Ich wusste, so viele Steigungen kamen nicht mehr-eigentlich nur eine kleine Rampe noch. Trotzdem-nicht überpacen! Ich hatte meine Erfahrungen schon früher dort gemacht als ich die letzten 3 km nur noch keuchend und herumhampelnd laufen konnte.
Bis km 15 zwischen 4:22 und 4:35/km. Ich begann zu rechnen. Die Gesamtlaufzeit bekam ich ja durchgesagt und so begannen die Rechenspiele. Es sind noch ca. 6km, wenn ich also um die 5min/km noch laufen könnte dann...uups ich war unter 1:42 ! Sollte ich es wagen ? Warum nicht! Also weiter, aber immer noch aufrecht und kontrolliert. Seit km 10 zog kein Läufer mehr an mir vorbei, dafür ich an einigen unterwegs. Ein schönes Spiel für die Mptivation: Läufer anvisieren, heranziehen und vorbei gehen. Für den Kopf unwahrscheinlich wichtig. Kannte ich auch schon umgekehrt. ;-(
Eine laaange Gerade begann kurz nach km 16. Heute kein Problem, kein Nachlassen, immer noch um die 4:30/km. Nur noch 5km! Wieder rechnen-mmhh könnte unter 1:41 sein im Ziel- wäre ja geil! Kilometer 17,18 und 19-ich sammelte noch 3-4 Läufer ein. Tempo unter 4:30/km. Ich konnte es wirklich nicht fassen! Ich fühlte mich noch immer gut, atmete regelmäßig und hatte noch Luft nach oben. Wie oft musste ich gerade bei schnellen HM auf den letzten Kilometern Federn lassen, doch heute lief es perfekt! Kilometer 20 in 4:03!! Doping? Muss der Sauerbraten von gestern gewesen sein, denn unterwegs habe ich weder getrunken noch sonstiges zu mir genommen. War ja nicht gerade heiß heute. Kilometer 21 kam-und gegen Ende des Kilometer klopfte es auf meine Schulter und Andreas war vorbei. Ich weiß, dass er gerade auf dem ebenen richtig schnell ist -und leider kam keine Steigung mehr :-) Aber ich hängte mich dran, hätte ihn vielleicht noch mal fordern können-doch warum ? Wegen dem einen Platz?Nein! Das Ziel kam-ich schaute auf die Zeitnahme- unter 1:40 ???Konnte es sein? Beim Zieldurchgang schien es mir als ob da 1:39:35 stehen würde. Wie geil ist das denn ! Gerade mal eine Minute langsamer als meine PB auf ebener Strecke und die war von 2008! Ich kann also noch schnell laufen! Irgendwie hatte ich vorher das Gefühl eben dies nicht mehr hinzubekommen, doch nun war ich so nach dran gewesen, denn die genaue Endzeit war 1:39:28-nicht mal 50 Sekündchen!
Im Ziel traf ich Peter(I) der unter 1:35 heute lief (klasse! ) und zusammen mit Andreas (4 Sekunden vor mir) gönnten wir uns einen warmen Tee. Und während ich sonst total kaputt war, fühlte ich mich heute-und das ist jetzt wirklich keine Angeberei- so als ob ich gerade einen lockeren 10km Lauf hinter mir hätte. Puls war unten, die Beine überhaupt nicht müde. Was heute anders war ? Vielleicht hilft das zusätzliche Krafttraining zu Hause, oder die schweren Bergläufe die ich in letzter Zeit machte, oder das Laufen mit der Gruppe-ich weiß es nicht. Ist mir auch nicht so wichtig  Ich hatte heute einen für mich fast perfekten Lauf und genoss es einfach. Und nach zwei Stück Kuchen und einer Bratwurst sah die Welt noch besser aus! :-)
Warum können nicht alle Wettkämpfe so sein .
Während Horst kurz nach uns ins Ziel kam, warteten wir auf Peter(II) vergebens. Er schien, so berichtete Horst gleich am Anfang eine Zerrung bekommen haben und brach seinen Lauf ab. Wirklich schade-aber vernünftig.
Die nächsten zwei Wochen habe ich nun Urlaub was die ganze Sache noch versüßt. Und morgen Abend geht´s wieder zum Lauftreff-ist doch klar :-)

Hier ein Screenshot aus GPsies auf der das Streckenprofil zu sehen ist -obwohl der Abstieg am Anfang definitiv nicht da ist :-)
Und die Strecke, sie wurde gegen den Urzeigersinn gelaufen:

Kommentare:

Blumenmond hat gesagt…

Klingt phantastisch und jetzt hat er Blut geleckt, was? Was ist das nächste Zeitziel?

Martin hat gesagt…

Nun zuerst sind einmal meine freien Tage zu genießen. Theoeretisch könnte ich auch nächste Woche am Sonntag einen HM auf schnellem Boden in Rheinzabern laufen, aber erstens laufen wir Freitag mit Christian 10km mit etwa 800 Hm und zweitens will ich ja auch etwas bei meiner Familie sein. Pb kann waretn :-)
Und dann beginnt die Vorbereitung für den Rennsteig so langsam.

weinbergschnecke hat gesagt…

Hui, kannst du rennen! Vorher pälzische Grundnahrungsmittel reinschieben und es läuft - jeder Nicht-Pfälzer hätte bei diesem Ernährungsprogramm vermutlich noch zwei Tage später Bauchweh gehabt! ;-)

Gute Regeneration und genieß die freien Tage!
Anne

Martin hat gesagt…

@Anne: Ja nachdem Hawaii Pizza letztesn nichts mehr gebracht hat, habe ich es nun mal so probiert :-)
Aber ich denke so richtig vernünftig war das nicht-muss es aber auch nicht sein ;-)

Andreas hat gesagt…

Glückwunsch! Das hört sich nach einem wirklich perfekten Lauf an, und das bei nicht gerade ebener Strecke...

Martin hat gesagt…

@Andreas : ja diese Mal hat es wirklich geklappt-kann ja mal vorkommen :-) Wer weiß wie es beim nächsten Mal aussieht.