Montag, 22. Oktober 2012

Vernunft wir überbewertet- Halbmarathon um den Ohmbachsee


Nun sitze ich also hier, sehe aus dem Fenster in den Nebel versuche das Wochenende zusammenzufassen. Ich liebe diesen Morgennebel. Würde gerne laufen, aber dieses Mal siegt die Vernunft. Passiert selten genug.
Der Samstag war geprägt von der Geburtstagsfeier bei Hans. Er wurde ja letzte Woche 30 (oder so) und hat am Samstag gefeiert. Geschätzte 3000 Kcal habe ich zu mir genommen-zu viel zu Essen, zu viel Gutes angeboten. Nur beim Salat blieb ich hart! Übrigens hat Hans nun auch genügend Kalorienvorrat, reicht für mindestens 7 Marathon, aber davon soll er selbst berichten :-) Das Wetter war da schon bombig und wir konnten lange Zeit draußen im Garten sitzen und die Sonne genießen.
Sonntagmorgen war dann auch schon um 7.00 Uhr die Nacht vorbei. Dunkel war es noch draußen, viel zu dunkel für mich. Aber es half nichts, wir wollten es ja und Hans und Rainer (der uns heute in seinem Auto mitnahm) würden am 8.00 vor der Tür stehen. Und sie taten es auch :-)
Wo ging es hin ? Zum Halbmarathon um den Ohmbachsee! Eine kleine, familiäre Veranstaltung, über viele Naturwege und eben nicht nur über Asphalt und geradeaus.
Während die beiden vorne saßen, lümmelten Pia und ich uns noch auf der Rückbank -immer noch viel zu früh!

 Aber die Sonne war schon zu sehen
 Nach 45 Minuten waren wir schon da, parkten genau am Start (der noch nicht aufgebaut war ;-) ) und genehmigten uns erst einmal einen Kaffee und ein Stück Kuchen-Carboloading ist wichtig.
Was hatte ich vor? Sollte ich unvernünftig eine Woche vor dem Frankfurt Marathon noch mal schnell laufen, oder lieber gemäßigt, vielleicht sogar mit Pia zusammen ? Das Wetter schine perfekt zu werden. Noch kühl und leicht neblig, aber es war abzusehen das es warm werden würde. Erstes leichtes Einlaufen-in doppelter Hinsicht. Denn zum ersten mal trug ich meinen neuen Treter von Aiscs, die Gel Cumulus 13. Ich musset unbedingt mal wieder neue haben, meine alten Straßenschuhe waren nun wirklich jenseits von gut und böse und vor allem wollte ich es mal wieder mit gut gedämpften Schuhen probieren-wegen meiner Ferse.

Ein Risiko sicherlich, aber 21km sind ja nicht soooo lang.
Während Piya Hans und Rainer sich weiter hinten aufstellten, blieb ich relativ weit vorne stehen beim Start. Zurückfallen konnte ich immer noch. Peng und schon gings los- ich wusste es würde erst mal bergab gehen und so lief ich flott los. Und schon beim ersten bergab machten sich die neuen Schuhe bemerkbar-sie federten viel besser den Fuß ab und gleich konnte ich einige Plätze gut machen. Die vorne waren natürlich eine andere Liga :-)
4:28 und 4:32 waren die ersten beiden Kilometer, doch dann wurde es heftig. Ich wusste ja dass ein langer Anstieg bevor stand, kannte ja das Höhenprofil, aber wissen nützt gar nichts wenn du hoch laufen musst!
Zuerst auf der Straße und dann ab in den Wald. Bergauf, immer weiter. Schon nach einem Kilometer wäre ich gerne gegangen, aber kein Schwein ging, jeder lief. Mist verdammter, dann eben nicht!
6:04 für den ersten Kilometer am Berg. Immer noch etwa einen Kilometer. Puls war irgendwo oben bei den Wolken, Gehirn abgeschaltet. Nicht den Anschluss verlieren, nicht zu weit nach vorne blicken! Schau dir den vor dir an, bleib dran! 6:28 für den zweiten Bergkilometer-und wir schienen oben zu sein.
Hier ist der Anstieg. Man sieht unten genau die Stelle wo wir in den Wald abbogen und weiter hinten das wellige Stück
Es wurde nun nicht gerade flach, eher wellig, aber auf jeden Fall leichter-theoretisch. Denn meine Mitläufer gaben nun eben mehr Gas, nichts mit Ausruhen!  5:11; 4:49; 4:51 -hechel, Luft schnapp! Endlich ging es bergab und ich konnte wieder Plätze gut machen. Ich ließ es einfach rollen, die Schuhe dämpften den Aufprall gut ab (es war nun Asphalt dabei, ein Radweg) und genoss es-ein wenig. 4:24; 4:31; 4:16; 4:07 Doch nun war es vorbei mit dem bergab :-(
Meine Fersen brannten, aber bei einem Wettkampf zählt das nicht.  11km waren geschafft, jetzt würde es wieder schwerer werden. Die Kilometer zogen sich wie Gummi. Zum Glück waren wir hier noch ab und zu zu zweit oder zu dritt und konnten uns gegenseitig ziehen, denn das Feld war nun sehr auseinandergezogen! Die Getränkestellen lies ich links liegen, obwohl es mittlerweile richtig warm war. Ich wusste aus dem Training, dass ich es auch so schaffen würde.
Kilometer 12, 13, 14 - 4:26;4:41; 4:47. Immer wieder kleine Anstiege und dazwischen lange Geraden die sich endlos zogen. Nun alleine unterwegs-vor mir der Mann in Gelb, etwa 50 Meter weg, war nicht einzuholen. Es wurde nun richtig warm, kaum Schatten noch und ich zählte jeden Kilometer. Verdammt, ich weiß schon warum ich solche Rennen hasse-und liebe.
4:51; 4:57; 4:59-ich wurde langsamer. Aber schneller ging es eben nicht mehr. Kopf wollte nach Hause, Beine wollten nach Hause, alles wollte nur ausruhen. Und wieder eine Steigung, sah auf dem Papier nicht schlimm aus und ist bestimmt auch nur wenige Meter hoch, aber jetzt war sie gewaltig.
18 Kilometer waren geschafft. Wir waren am See schon fast vorbei, ein einsamer Trompeter spielte den Song aus "Titanic" und ich sagte noch zu einem Mitläufer der jetzt gerade mich überholte :Passt doch!
Nun die restlichen 3 waren wie immer ein Kampf, den wohl jeder kennt. Nicht nachgeben, versuchen die Pace zu halten, ans Ziel denken! 4:58 für Kilometer 19, 5:12 für Kilometer 20-es wurde Zeit heim zu kommen. Einer überholte mich, war schnell 10 Meter vor mir. Dran bleiben? Ich versuchte es. Noch ca. 400m, er kam nicht mehr weg. Mmmh. Noch 200 Meter, das Ziel war sichtbar und er noch 10m vor mir.  Und es ging bergauf. Was soll´s-zu verlieren hatte ich eh nichts mehr. 100m vor dem Ziel "spurtete" ich, ging vorbei und rechnetet mit einem Gegenangriff-aber der kam nicht mehr-zum Glück:-)
Völlig alle kam ich ins Ziel, 4:35 für den letzten Kilometer und 1:41:13 für den gesamten HM. Platz 45 von ca. 280 Startern. Gleich im Ziel unterhielt ich mich mit meinen Mitläufern, bedankte mich für die gute Zugarbeit die wir zusammen machten. Einer war vor mir im Ziel (Typ jung, dynamisch, groß, schlank) und zwei kamen kurz nach.
Ich trank ein Glas süßen, warmen Tee und wartete auf Pia, Hans und Rainer. Saß in der Sonne und genoss es. Etwa 500m vor dem Ziel setzte ich mich hin und sah die anderen vorbei laufen, feuerte an, klatschte und wartete.
Als erstes kam Rainer in Sicht. Er sah wirklich noch gut aus und kam mit 2:05 ins Ziel-ein Bombenergebnis für ihn! Dann sah ich in der Ferne Pia. In Pirmasens lief sie ja sehr locker mit einer Freundin, hier lief sie auf Zeit. Ich lief ihr entgegen, sie war kurz vor Krämpfen in Oberschenkel und Wade. Ich setzte mich genau vor sie, zog sie und sie folgte mir. Das hilft immer, denn sobald du das Hirn ausschaltest, dich nur noch auf das laufen konzentrierst kommen noch ein paar Körner Kraft hervor. Noch 50m und ich ließ sie laufen. Mit ihrem zweitbesten Ergebnis überhaupt, mit 2:12:59 überquerte sie die Ziellinie. Tolle Leistung. Jetzt nur noch Hans-und er kamm alsbald darauf in Sicht. Locker aussehend kam er ins Ziel in 2:17. glaube ich. Wir alle waren wirklich zufrieden, wenn auch Hans ein bisschen mit sich haderte.
On es nun sinnvoll war, so kurz vor dem Marathon noch einen schnellen HM zu laufen, noch dazu mit einem mit 350Hm (es waren wirklich mehr als die 265 die angegeben waren) sei dahingestellt-mir ging es hier um den Spaß und um zu sehen was denn so noch drin ist. Die Asics haben sich bewährt, wenn ich auch gestern danach nicht mehr mit der linken Ferse auftreten konnte, aber das lässt sich wohl erst mit einer Laufpause beheben-und dafür ist es mir noch zu früh. Heute jednfalls geht es mir wieder richtig gut und auf Frankfurt bin ich einfach mal gespannt.

Die ganze Strecke
 Und hier das Höhenprofil

Kommentare:

Blumenmond hat gesagt…

Pass gut auf Dich auf, Du! Ein bisschen Vernunft ist nicht schadhaft, glaube ich... hab ich mal gehört. :-)

Martin hat gesagt…

Na ich weiß nicht wo du da hingehört hast ;-) Man kennt ja leider auch die Nebenwirkungen von zuviel Vernunft. Aber ich pass auf mich auf-oder Pia tut das.

Claudi hat gesagt…

Du Tier Martin! Wenn Du in Frankfurt beim Km 27/28 nicht fürs Foto lächelst, dann halte ich Dir das mehrere Posts lang vor... und zwar nur, weil Du hier so nen super coolen HM hingelegt hast. Inklusive Höhenmeter! Echt Wahnsinn. Wirklich!
Wir sehen uns Sonntag! Denkst Du noch dran, Dein Outfit zu zeigen? Und bitte nicht nur schwarz, das hat jeder an.
Viele Grüße!
Claudia

Martin hat gesagt…

Nein schwarz mit Sicherheit nicht;-) Eher wohl gelbe Jacke mit meinen Logo hinten drauf und kurze schwarze Hose. Gelbe Kappe natürlich. Aber genaueres kommt noch. Und stell doch doch dorthin wo es geht-dann lache ich auch;-)

Martin hat gesagt…

Meine natürlich:
Stell dich dorthin wo es bergab geht-dann lache ich auch.
Blöde Handy Tastatur

Andreas hat gesagt…

Mensch, da bist da aber klasse gelaufen. Solch eine Zeit bei dem Höhenprofil... Wahnsinn... Gratulation! Und viel Glück für Frankfurt!

Claudi hat gesagt…

Martin,
du lachst einfach die ganze Zeit... ich stehe nämlich -leider- da, wo es gerade Bergauf geht. Nach der Bahnunterführung links.
Gelb ist super, das kann man gut erkennen! Sehr lobenswert!
Viele Grüße

www.lauferleben.blogspot.de hat gesagt…

Hallo
hey, das ist ein wirklich schöner Laufbericht, wo jedes Läuferherz höher schlägt.Ich denke, du hast diesen Lauf wirklich genossen,oder?
Über die Zeit braucht man ja nicht zu reden/schreiben.....Respekt, bei diesen Höhenprofil
lg Mathias

Martin hat gesagt…

@Mathias:
Ja ich habe den Lauf genossen. Dass es schwer werden würde, wusste ich-aber das muss auch mal ab und zu sein. ich denke solche kleinen "Events" haben ihren eigenen Reiz und sind mal was ganz anderes wie am nächsten Sonntag wo tausende von Läufern in die gleiche Richtung rennen ;-)