Donnerstag, 22. September 2011

Das erste Mal

Und es war Sommer...aber nicht zum ersten mal im Leben. Und ich war keine 16 mehr.
Ist schon eine Weile her, mein erstes Mal. War gar nicht so übel,natürlich war es hart, aber nur gegen Ende gab es Krämpfe. Aufgeben wollte ich niemals, wollte durchkommen.
Ich rede natürlich von meinem ersten Marathon. All diejenigen die nun über Suchanfrage in Google "erstes mal" hierher gekommen sind : Sorry! Hier geht es nur ums laufen. Meistens jedenfalls.
Das Shirt hängt noch im Schrank, flankiert von mittlerweile doch einigen anderen die um Aufmerksamkeit buhlen. Jedes hat seine Geschichte, ist gefüllt mit Erlebnissen, doch eines war das erste und hat somit einen besonderen Status.
2005, Anfang September. Ich war in Karlsruhe und suchte einen Parkplatz möglichst nahe am Start. Wie ich bis dahin trainiert hatte weiß ich gar nicht mehr, ich weiß nur, dass ich am Tag vor meinem Geburtstag, also am 15.April meinen ersten 30km Lauf hinter mich gebracht hatte. Alles weitere liegt wie diffuser Nebel in der Erinnerung.
Natürlich war das Wetter schön und ich war aufgeregt. War alleine, konnte meine Nervosität nicht "ver-reden". Musste sie eingesperrt lassen. Lief mich bestimmt 3 km warm ;-) Ich hatte mir Karlsruhe (Feducia-Marathon) wegen seines flachen Profils und seiner relativen Nähe ausgesucht. Sollte ja alles passen.
Soweit ich mich erinnere brauchte ich für den HM etwas unter 2 Stunden und atmete noch durch die Nase-für mich damals ein gutes Zeichen, da ich überhaupt nicht wusste was kommen sollte.
Irgendwann ab 33-34km wurde es dann härter und ich ging öfters, aber ich kam dem Ziel näher. Zuschauer feuerten mich an. 2-300m vorm Ziel wartete ich darauf, dass ich nun irgendwas fühlen müsse, eine Art Euphorie, Himmelchöre oder ähnliches -doch nichts war da. Ich sah das Ziel, durchlief es und das war es irgendwie. Ich war also ein Marathoni.
Vielleicht lag es daran, dass kein Mensch dabei war den ich kannte (Hans war dort auch dabei-aber ich kannte ihn noch nicht, außerdem war er eh schneller gewesen), ich weiß es nicht.
Was mir aber klar war war, dass dies nicht mein letzter Marathon gewesen sein würde.
Nach Hause gefahren, mit Pia telefoniert (sie hatte irgendeinen Termin, weiß aber nicht mehr welchen), ein Bad genommen und mich dem Muskelkater ergeben. Meine Zeit war mit 4.10 eigentlich nicht schlecht, aber ich wäre gerne unter 4 Stunden geblieben.
Es folgten noch so einige Marathon, davon mehrere in Mainz und in Frankfurt, natürlich auch hier bei uns, der Königschlösser Romantik Marathon, der Hunsrückmarathon usw. Aber ich wusste auch, dass ich mehr wollte, traute mir das noch nicht zu. Da gab es diese "Verrückten" die so eine Aura umgab, die Ultraläufer, diejenigen die noch viel weiter laufen können, die scheinbar überhaupt keine Grenzen kennen. Da wollte ich hin!
Seit 2 Jahren laufe ich nun weiter. Immer ein bisschen "mehr weiter". Weil es mir Spaß macht, weil ich meine Grenzen verschieben will, weil es was ist, was nicht jeder macht. Nicht jeder kann. Weil es so viele Möglichkeiten gibt, so viele Strecken, so viele Vorbilder die mich motivieren. Nehmt nur mal Melanie, Steffen, Marco und Margitta !
Ich brauche immer neue Ziele, neue Herausforderungen, träume von steilen Gebirgsläufen, von heißen Wüstenwinden oder kühlen Wäldern. Und solange ich noch kann und gesund bin, werde ich auch versuchen diese Träume zu verwirklichen. Vielleicht nicht so geradlinig wie andere, aber ich werde es versuchen. Und deswegen liebäugle ich auch mit Biel nächstes Jahr. Weil es weiter ist, weil ich länger unterwegs sein werde, weil ich es will. Und...weil danach, so hoffe ich, noch nicht Schluss ist.
Auf diesem Weg werde ich aber die "anderen" Läufe die vielleicht Trainingstechnisch nicht förderlich oder wichtig sind, auf keinen Fall weglassen. Sie gehören einfach dazu. Gerade solche Läufe wie letzten Samstag mit Pia und Anja, oder gestern mit den "Nature Run" aus Erlenbrunn machen einfach Spaß.
So what? Es war bisher ein langer, ereignisreicher Weg bis hierher. Aber ich bin sicher der weitere wird nicht minder ereignisreich werden. Und das schöne ist : Ich gehe ihn nicht alleine!

Kommentare:

Evchen hat gesagt…

Oh man, das hast Du schön geschrieben, lieber Martin! Klar bin ich gerade ein wenig empfänglicher für "erste Male", aber auch sonst könnte ich sagen: mehr davon! Mehr Träume, mehr Erinnerungen, mehr verrückte Vorhaben! Überleg Dir mal schon ein bißchen Läufergarn, um mich zu unterhalten, wenn ich nicht mehr reden will. ;-)

Pienznaeschen hat gesagt…

Ich wünsche Dir immer genügend Träume zum träumen, das Du sie Dir erfüllen wirst und immer träumen kannst ... die Liebe zum Laufen steht zwischen den Zeile und das "rührt" mich.

Blumenmond hat gesagt…

Hey, hier ist schreibt der Frauen-Fan-Club. :-)) Biel, ach ja... heißt es nicht, "irgendwann musst Du nach Biel" - so oder so ähnlich hab ich es wohl häufig gelesen. Schön ist ja, dass wir dann mit dem Bericht mit dabei sein können - oder Mädels, Staffel für uns? *ggg*

ultraistgut hat gesagt…

EINMAL MUSST DU NACH BIEL

Der Einstieg in die 100-er für viele, auch damals für mich.

Ziele müssen sein, und Biel ist eines, das sich lohnt, so oder so, ein Abenteuer, eine neue Herausforderung, dabei sein am Ho-Chi-Minh, die 99 km Marke sehen und dann hyperglücklich bei 100 ins Ziel einlaufen, ein Erlebnis, das unbeschreiblich ist und dass ich dir von Herzen wünsche, einmal (oder vielleicht auch öfter, wer weiß !!) zu erleben.

Am besten du liest viel darüber, auch Berichte, und du wirst richtig, richtig heiß drauf, das kann ich dir versichern.

Biel war mein Einstieg, und seit dem komme ich von den langen Kanten nicht mehr los.................

Bin gespannt !

Martin hat gesagt…

@Evchen :
Ich nehm doch die Peitsche mit, da brauch ich nicht zu reden ;-)
@Pienznäschen:
Ich glaube nicht, das mir die Träume ausgehen, dazu bin ich zu lebensfroh. Und wa soll man ohne Träume denn noch machen-doch nur vegetieren
@Blumenmond:
Frauenfanclub ? Ich schmeiß mich weg, danke:-)
Eine Staffel in Biel-das wäre was !Leider wird es nicht angeboten soviel ich weiß ;-(
Und natürlich werde ich, wenn es dann klappen würde (was noch lange nicht sicher ist) euch berichten-ist doch Ehrensache!
@Ultraistgut:
Dieser Satz geht mir nun schon seit Jahren im Kopf herum, doch war ich noch weit davon entfernt. Spätestens nach dem Rennsteig nächstes Jahr werde ich mich entscheiden ob ich ihn in Angriff nehmen werde, den 100er. Laut anderen Läufern soll er ja ungefähr vergleichbar mit dem Rennsteig sein. Und natürlich werde ich viel darüber lesen ;-)

ultraistgut hat gesagt…

Der Rennsteig und Biel unterscheiden sich hauptsächlich darin, als der eine tagsüber und der andere nachts gelaufen wird, insofern ist es eine doppelte Herausforderung.

Doch Biel empfand ich wesentlich abenteuerlicher als den Rennsteig, nicht zuletzt wegen des leider schlechten Wetters, aber auch wegen der abwechslungsreichen Landschaft, sofern man nachts etwas sehen konnte !

Martin hat gesagt…

@Ultraistgut: Über das Wetter habe ich schon einiges gelesen-meistens regnet es wohl :-) Stimmt es eigentlich, dass man von einem Rad begleitet werden darf?

Gerald hat gesagt…

Na, ja, ich finde Rennsteig und Biel schon recht unterschiedlich. Der eine ist ein klassischer Landschaftslauf, bei dem es fast immer auf- oder abwärts geht. Biel ist dagegen zum größten Teil Straße, mit ein paar kleinen Anstiegen, und einer mittelprächtigen Waldeinlage (wenn du langsam genug läufst sogar im Hellen). Der Start um 22:00 ist erstmal befremdlich, darauf muss man sich halt einstellen. Ja, ein Großteil der Bielläufer läßt sich von einem Radler begleiten. Die Radfahrer fahren gemeisam zu km 22 (ungefähr) und warten dort auf Ihren Läufer. Außerdem ist der Emmendamm (=Ho Chi Minh Pfad)für Radler tabu. Wenn du einen der Läufe angehen willst, mach dich nicht zu nervös, stell dich innerlich auf die Strecke und die geplante Laufzeit ein. "Train hard and enjoy the race"

Gerald

ultraistgut hat gesagt…

Ja, das stimmt, aber auch für den Radfahrer ist es eine Tortour, besonders bei Regenwetter !!

Martin hat gesagt…

@Gerald:
Rennsteig ist ja schon lange gebucht, nur Biel bin ich noch am überlegen. Das mit der Fahrradbegleitung finde ich ja gut, gerade weil ich eben so lange Strecken noch nicht gelaufen bin. Und es reizt doch sehr !
@Ultraistgut:
Na da muss Hans eben durch- das Leben ist kein Ponyhof ;-)