Sonntag, 24. Juli 2011

Wie soll ich heute übers Laufen schreiben?

Wie kann man so kaltblütig sein? Über 80 Menschen eiskalt zu töten, ihnen "sicherheitshalber" auf dem Boden liegend noch in den Kopf zu schießen?
Ich gebe es zu, als ich von dem Anschlag in Oslo hörte, dachte ich an eine Tat der Islamisten-wie man sich doch täuschen kann! Wir brauchen kein ach so gewohntes Feindbild-wir haben sie selbst unter uns, die Wahnsinnigen für die kein Menschenleben zählt. Mitten unter uns. Unauffällig, tragen keine Verschleierung, sind freundlich und keiner ahnt dass sie ihre Seele schon lange dem Teufel verkauft haben. Wobei der Begriff "Teufel" nicht im biblischen Sinn zu deuten ist, sondern für all die Absonderlichkeiten zu denen der Mensch fähig ist.
Es ist eine Sache ob sich ein Mensch selbst zu Grunde richtet (Amy Winhouse) - eine ganz andere Sache ist aber Opfer von so einer Tat zu werden. Ich bin, wie immer öfter in letzter Zeit, fassungslos.
Und doch berichte ich übers Laufen. Weil wir leben, weil wir weiter leben, müssen, um nicht auch Opfer zu werden der Verblendeten, der Irren. Wir müssen weiter machen um ihnen zu zeigen : Ihr habt euer Ziel nicht erreicht !Ihr lähmt uns nicht ! Ihr macht euch nicht unsterblich mit euer Tat in unseren Herzen ! Wir haben einfach nur Verachtung für Euch übrig!

Ich schreibe über einen einsamen Lauf am Dienstag bei noch schönem Wetter...
über den gemeinsamen Lauf mit Pia gestern Abend (eine Runde in der Nähe unseres Dorfes über knapp 15km mit steilem Anstieg)...

Dunkle Wolken verfolgten uns
und schöne Täler erwarteten uns ebenfalls
und über den heutigen Regenlauf mit Hans über 350 Hm und teils abenteuerlichen Wegen
Wolkenverhangenen Aussichten
versuchten Baumassnahmen (Immer mehr dieser Steintürmchen "erscheinen"hier im Wald und jeder versucht einen Stein noch oben auf zu legen, klappte heute nicht -gleich im Anschluss musste Hans mithelfen den Steinturm zu retten)
und Wegen zwischen Mannshohen Farnen
Und wenn die Welt schon so krank ist-oder besser gesagt die Menschen so krank sind, es gibt auch positives unter uns Menschen. Und wenn es nur der gerettete Igel auf der vielbefahrenen Straße in der Nacht ist
Also was bleibt? Was sollen wir machen? Wenig!
Wir könenn nicht viel tun. Wir könenn solche Taten nicht verhindern. Wir können nur selbst ein bisschen dazu beitragen die Welt ein bisschen freundlicher zu gestalten. Lasst uns Menschen sein, denn nur der Mensch hat außer dem Hass auch die Gabe Mitgefühl zu empfinden und uneigennützig zu sein.

Kommentare:

weinbergschnecke hat gesagt…

Gegen solche Menschen sind wir macht- und hilflos - niemand kann eine solche Tat vorhersehen,die jenseits all unserer Vorstellungskraft liegt. :-(

Wir können uns nur in unserer kleinen Welt achtsam und respektvoll gegenüber allem Leben verhalten - und wenn es der Igel auf der nächtlichen Straße ist. Und dann ist ie Welt ein klein wenig besser ...

Liebe Grüße
Anne

Laufline hat gesagt…

Ich verstehe Deinen Blog-Titel sehr gut und mir ging es Freitagabend und auch gestern nicht anders: Wie kann ich jetzt etwas posten über etwas im Grunde doch sehr Banales wie Laufen. Und dann gar noch irgendetwas Lustiges?!
Gleichzeitig finde ich es in Ordnung, dass wir trotz der schrecklichen Dinge, die passiert sind, etwas Positives erleben dürfen. Das heißt noch lange nicht, dass uns das kalt lässt, was passiert ist.

Martin hat gesagt…

@Weinbergschnecke: So ist es ! Wir können nur in unserem eigenen kleinen Bereich was tun und kleine Schritte führen auch weiter
@Laufline:
Nein kalt lässt das nur Menschen die selbst kalt sind-und davon sind wir doch ein gutes Stück entfernt.

Blumenmond hat gesagt…

Die Dinge geschehen und noch viel schlimmere, die wir gar nicht mehr wahrnehmen, weil sie dauerhaft sind. Das Thema war ja kürzlich schon im Blog. Immer versuchen, ein klein bisschen dran zu arbeiten. Stück für Stück. Und trotzdem freue ich mich über Deine Bilder - die Welt bleibt halt nicht stehen und das ist auch gut so.

dankvolker hat gesagt…

Hallo Martin,

Du schreibst mir aus der Seele.

Was können wir tun, um nicht selbst wahnsinnig zu werden ob der Folgen, die die Tat dieses Wahnsinnigen für so viele vorallem junge Menschen und deren Angehörigen hat.

Wir können dieser Menschen, die wir persönlich nicht kannten, gedenken. Traurig sein über die sinnlos zerstörten und ausgelöschten Leben.

Wir müssen unserer Wut und Hilflosigkeit kontrollieren, was mir persönlich sehr schwer fällt.

Aber in erster Linie müssen wir unser Leben, wie Du es auch schreibst, unbeirrt weiter leben. Einschüchterung und Angst haben da keinen Platz.

Wie bei vielem anderen auch hilft uns unser Laufen dabei. Es ist so wertvoll, dass es sich jederzeit lohnt darüber in all seinen Facetten zu schreiben. Wie andere Bereiche unseres Lebens organisiert es uns und hilft uns zurück in unser alltägliches Leben. Gerade das alltägliche Leben mit seinen Strukturen und sozialen Bindungen gibt uns Halt und die Unbeirrbarkeit unseren Weg fortzusetzen.

Ui, was für ein Statement. Aber genauso sehe ich das.

LG Volker

Daniel hat gesagt…

"steinmandl" nennt man deine türmchen bei uns in den alpen.
aber überhaupt, deine heimat scheint ein wunderschönes laufrevier zu sein. genau der richtige mix.

Martin hat gesagt…

@Dankvolker :
Bei deiem Statement hat sich jedes Wort rentiert das du geschreiben hast!
Danke !

@Daniel, willommen !
Siehst du die Dinger vermehren sich überall-wobei bei Euch gibt es die bestimmt schon länger. Zu der Umgebung :Stimmt ! Punkt!