Mittwoch, 15. September 2010

Pfälzerwald Marathon 3.0 -Der Minister, Melanis Knie und Minipferde

Wo war ich stehengeblieben ? Ach ja, am Getränkestand. Und zwar wortwörtlich :-) Ich war etwas vorgelaufen am Berg und trank nun einen Becher Tee nach dem anderen, denn es war nun schon richtig warm. Sage und schreibe 4 Becher habe ich in mich reingekippt (war aber auch Wasser dabei) und vorher brav mein Gel gelutscht. Lief dann ein bisschen zurück und da kamen sie auch schon. Melanie hatte den zweiten Berg geschafft und Steffen motivierte sie dabei.
Nun begann ein Stück, dass einfach zum Genießen da war. Zuerst leicht bergab, führte es Richtung Rodalben, dem tiefsten Punkt der Strecke. Da ich die ganze Zeit ja schon Photos machte
fotografierte ich auch diese Gruppe
sahen ganz locker aus und waren es auch. Die Frau lief meistens vorne her und wartete immer auf den Herrn in schwarz. Wir plauderten ganz vergnügt (wir Pfälzer sind ja kommunikativ) und irgendwann fragte sie für wen ich denn schreibe. Leicht verwirrt klärte ich sie auf, dass ich nur für meinen Blog Bilder mache und nicht der Bilderprofi noch der Schreiberling bin.
Erst im Ziel wurde ich dann von meinen Freunden aufgeklärt. Mit wem ich da so schön "Pälzisch" gesprochen hatte war "nur" der Wirtschaftsminister von Rheinland Pfalz gewesen!
Ich schämte mich entsetzlich! Was muss der nur von mir gedacht haben, als ich ihn ansprach um Bilder zu machen? Ich versuchte ein Loch in den Hallenboden zu buddeln- ging aber nicht. Zum Glück sah er mich später, als er ins Ziel kam nicht, sondern duschte und wurde dann standesgemäß, begleitet von der Frau, einem Bodyguard und dem Chauffeur vor der Halle abgeholt. Aber nett war er!
Trotz oder gerade wegen des abfallenden Geländes bekam Melanie Probleme. Starke Knieschmerzen behinderten sie mehr und mehr bis schließlich kein Laufen mehr möglich war. Ein verdammtes Pech, denn sie war erste bei km29 und das schwerste Stück wartete noch auf uns. Schweren Herzens gab ich der Bitte nach und lief alleine weiter, mit einem bitteren Gefühl dass sich nicht legen wollte.
Ungefähr hier verließ ich die beiden
Die folgenden Kilometer lief ich nun zwar alleine, aber hin und wieder sah ich doch ein paar Läufer

Hier bei km 30 begannen in den letzten Jahren meine Leiden, dieses Mal war nichts davon zu spüren. Ein kleines bisschen erhöhte ich das Tempo, vielleicht auf 6min/km und trabte meiner Wege, genoss die bekannte und doch wieder beeindruckende Natur

Dies sind Bilder von Steffen

und dachte an die beiden. Der nächste Versorgungspukt kam, etwa bei km 31 oder so. Und hier wurde ich sogar gefragt ob ich denn Salztabletten wolle ! Ja wo gibt es denn so was ? Das ist doch mal eine Versorgung wie man es sich wünschen kann. Ganz toll. Auch hier wieder, keine Hektik, kein schnell, schnell sondern gemütlich trinken, mit anderen schwätzen und dann weiter laufen. Nun ging es so langsam hoch,
doch noch war der große Anstieg nicht erreicht. Der Weg war nun öfters sandig, führte an großen Koppeln vorbei. Und auf einer sah ich folgendes Bild:
Nein, das zweite Pferd ist nicht eingesunken, es ist auch kein Fohlen- es ist nur sehr, sehr klein! Vielleicht so groß wie eine Dogge. Also so ein kleines Minipferd habe ich noch nie gesehen! Trollig!
Weiter und weiter folgte ich dem Weg. Kopf frei, Gedanken fliegen umher. Seit km 30 überholte ich nun Läufer, grüße freundlich, munterte auf (einige sahen wirklich nicht glücklich aus) und das sollte bis zum Ziel so bleiben.
Noch ein Kilometer dann kam der Anstieg der mich die Jahre zuvor so gequält hatte mit Krämpfen etc. Noch einmal hier durch
eine letzte Versorgungstelle
(wieder ein Bild von Steffen)
dann wurde es Ernst- nur für mich heute irgendwie nicht. Hinten rechts auf dem Bild erkennt man eine Biegung und von da an ging es bergauf. Kopf ausschalten, kleinere Schritte und einfach traben-heute ging das. Alle die ich sah, gingen den Berg hinauf, doch ich fühlte mich richtig gut, lief vorbei. Auf 4 km waren 160 Höhenmeter zu überbrücken. Normalerweiße nicht schwer, aber wenn es eben erst bei km 34 anfängt schon. Irgendwie wartete ich die ganze Zeit auf irgendwelches Ziehen oder so, auf einen beginnenden Krampf-nichts. Wie heißt es ganz richtig : Nicht die Strecke tötet sondern da Tempo.
Ich war oben,wieder in der Stadt, wusste noch ein zwei kleine fiese Stückchen warteten auf mich, aber es konnte nichts mehr passieren. besonders gefallen haben wir die Drei, machten sie doch mitten auf der Straße richtig gute Musik!
Noch einmal durch ein Wäldchen, noch mal hoch, dann steil bergab.
Hier wieder ein private Versorgungstelle die eine Familie alleine aufstellte und finanzierte

Ich sah auf die Uhr und rechnete mit 4:40-4:45.
Plötzlich klingelte das Handy! Pia war dran und fragte, wo ich denn bliebe. Ich hatte eine Zeit von etwa 4:30 + X angegeben und nun waren gerade mal 4:32 um ! Hallo, bin ich ein Uhrwerk? Aber es stellte sich schnell heraus, dass die Uhr im Ziel falsch anzeigte und sie meinte ich wäre schon über 5 Stunden unterwegs.
der letzte Anstieg vorm Ziel, vielleicht 200m lang. Jetzt konnte ich ein wenige gehen, hinter mir laaange keiner, vor mir auch keiner in Sichtweite. Doch ich hatte die Rechnung ohne Hans gemacht, der nämlich hatte sein Objektiv schon auf mich gerichtet und so musste ich eben weiter laufen ;-)
Nach 4:42 war der 5. Pfälzerwald Marathon für mich vorbei. Nur beim 50km Lauf in Rodgau war ich länger laufend unterwegs gewesen, aber heute war das mir jede Minute wert!
Ich war zwar müde, aber nicht fertig. Die Beine taten weh, aber keine Krämpfe was will man denn mehr? Zufrieden mit mir und der Welt wartete ich nun im Ziel auf meine beiden Begleiter
Duschen konnte ich nicht, denn blöderweiße waren meine Duschsachen im Auto und den Schlüssel hatte Steffen mitgenommen, da er noch eine Tasche frei hatte. Aber es war nicht kalt und somit kein Problem.
Nach einer 3/4 Stunde dann waren die beiden auch im Ziel. Laufen war für Melanie nicht mehr möglich, hatte aber die ganze Strecke bewältigt und nicht aufgegeben! das zeigt doch ihr großes Kämpferherz und zollt jeden Respekt!
Kurz haben wir uns noch mit dem Seriensieger der letzten Jahr unterhalten, der dieses mal nur eine 2:49 lief- er hatte noch nicht mit dem Training richtig angefangen, das wolle er erst jetzt beginnen um seinen Titel über die 50km zu verteidigen. Ach ja wenn ich mal solche Probleme habe :-)
dann ging es nach der Dusche noch einmal zu uns um den Tag zu reflektieren und die Erlebnisse zu besprechen.
Ach ja..zu Essen gab es auch ;-)
Wir konnten uns sogar noch auf die Terrasse setzen und die vielleicht letzten warmen Temperaturen genießen
Ein unvergesslicher Tag neigte sich dem Ende zu und auch als unsere Gäste uns verlassen hatten (diese Mal waren auch Hans und Gabi dabei) war da noch so ein richtig gutes Gefühl übrig geblieben. Und mal ehrlich...sollte nicht jeder Tag so enden ?

Kommentare:

Evchen hat gesagt…

Ah, toll! Danke, daß Du Dir überhaupt die Mühe gemacht hast, so ausführlich zu berichten! Man kann immer nicht genau beschreiben, wieviel Spaß das macht, so einen Bericht zu lesen.
Sehr schmunzelig, rührig: einfach schön (die Blessuren und Schuftigkeiten wiegen hinterher doch nur noch halb so schwer)!

ultraistgut hat gesagt…

Gibt es noch Schöneres, als mit lieb gewonnenen Freunden einen so schönen Tag zu verbringen, ich glaube wenig.

Danke für deinen ausführlichen Bericht !

Martin hat gesagt…

@Evchen:
Mühe würde es sein, wenn ich keien Freude daran hätte- die habe ich aber. Und da ich diese Woche nur zu HAuse sein werde (mist Grippe) habe ich auch Zeit dafür.
@Ultraistgut:
Stimmt, solche Tage könten öfters "vorbei kommen". Aber vielleicht weiß man sie, gerade weil sie selten sind, so zu schätzen.
Und zum Bericht: Es ist wohl so eien Art Sendungsbedürfnis bei mir :-)

Monika hat gesagt…

Ich lach mich weg! Martin und der Herr Minister!
Kannste fürs nächste Jahr mal dafür sorgen, dass Euer Marathon nicht mit Bernau auf einen Tag fällt?
Bernau steht fürs nächste Jahr schon fest und ich möchte doch auch mal in den Pfälzerwald.
Freut mich riesig, dass Ihr auch so einen schönen Tag hattet. Die Bilder und der Bericht sind einfach klasse!

LG Moni

lizzy hat gesagt…

hach, der Pfälzerwaldmarathon war neulich gemeint - jetzt hab' sogar ich das endlich begriffen.

Scheint 'ne schöne Strecke zu sein, durchaus reizvoll, joo - aber sich nicht ohne *puh*

Martin hat gesagt…

@Monika:
Der nächste ist am 10.09.2011 also wieder genau der Tag an dem Bernau ist. Mist !Würde mich freuen dich hier zu begrüßen.
@Lizzy:
Sorry hab nicht mitbekommen, dass du es nicht gewusst hast. Also "Puh " gheört doch zu so einem Lauf doch einfach dazu, oder ? Ansonsten könnten wir ja im Stadion laufen ;-)
Und schön ist sie, die Strecke.

Hans hat gesagt…

Der Herr Minister hat sich schon gemerkt wo Dein Haus wohnt und wird Dich bald besuchen lassen.

Klasse Bericht, wie selbst dabeigewesen.

Martin hat gesagt…

@Hans :
Meinst du ? Wunderte mich schon über die Männer imn schwarz die da draußen vor der Tür stehen. Und der Helikopter der den ganzen Tag über uns ist, ist dann wohl auch kein Zufall.

Steffen hat gesagt…

Ach Martin, was soll ich noch sagen - ihr Kölsch seit echt der Hammer, und wenn einem dann der Sonntag noch mit einer solch tollen Landschaft versüßt wird...

Danke euch, ihr seid der Hammer!

Ramona hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch, Martin! Und vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht und die schönen Bilder!

Es ist gut, dass Dein Lauf so problemlos war. Die Zeit ist doch eigentlich zweitrangig. Ja, und das Beste - das Zusammensein danach, auch noch auf der Terasse bei schönem Wetter.
Was will man mehr?

Liebe Grüße
Ramona

Pienznaeschen hat gesagt…

Ohje zum Mini-Pferd und ein Oje zu dem tollen Tag, dem Marathon und der wunderbaren Strecke.
Der Herr Minister, auf den sie immer gewartet hat wird sicher schon nach Dir gegoogelt haben ... macht Dich aber nur sympathischer ;)

Das Bild von Hans von Dir, das ist klasse - ein sehr sportlicher Mann der da im PfälzerWald läuft!!

Laufmauselke hat gesagt…

Ein sehr schöner Bericht von einem ofensichtlich sehr schönen Lauf.
Herzlichen Glückwunsch allen Finishern. Es ist schön, so ein Erlebnis mit Freunden zu teilen.