Samstag, 14. August 2010

Kerwelauf in Dahn , hart aber herzlich - und Kopf schütteln

Was habe ich mir da wieder eingebrockt? Warum rennst du wie ein Blöder dem davor hinterher, verfolgt von dem dahinter der ebenso keucht ? Könntest zu Hause sitzen, oder einfach so die Natur genießen! Aber nein, ich muss ja hier mitmachen. Zwei Tage nach dem anstrengenden Training, zwei Tage bevor ich den Pfälzer Waldmarathon ablaufen will.

Vor dem Start sah ich mir kurz das Höhenprofil im Internet an und war erstaunt, denn es hätte fast ein Berglauf sein können :-)
Zwei steile Anstiege mit darauffolgenden steilen Bergabpassagen waren darauf zu sehen, hieß also für mich: Lass es langsam angehen. Hatte ich jedenfalls vor und natürlich kam es anders.
Vorm Start stellte ich mir optimistisch eine Zielzeit von 50 Minuten ein. Man soll ja positiv denken.
Mit am Start war Hans (nach langer Auszeit) Isolde, sowie Martina und Jens (beide vom Nature Run Erlenbrunn).
von links : Isolde, meinereiner, Jens, Martina, Hans.

Gleich nach dem Startschuss stellte ich fest, dass ich den ultimativen Anfängerfehler schlechthin gemacht hatte, ich vergaß Doppelknoten in die Schnürsenkel zu machen und schon nach 500m war der rechte Schuh merklich lockerer. Was tun ? Jetzt anhalten oder erst später am Berg ? Wo verlöre ich weniger Zeit? Später, sagte ich mir, wenn es sowieso bergauf geht.
Es folgte nach ca. 400m durch Dahn zuerst ein Wiesenstück, dann folgten Feldwege die munter auf und ab verliefen. Noch kein Wald, noch kein Bergauf. Trotzdem mussten die ersten schon nach 1,5 km gehen.
Hier ein Bild von Hans dass die Strecke kurz vor dem ersten Anstieg etwa zu diesem Zeitpunkt
Nun wurde es ernst ! Und wie! Warum ? Darum :
Der erste Anstieg kam. Nun laufe ich ja solche Bergaufpassagen auch im Training- aber eben langsamer und nicht am Limit! Ich keuchte mir die Seele aus dem Leib, die Beine hatten den Mittwoch noch nicht weggesteckt-und ich auch nicht. Aber es überholte keiner, jeder hatte Probleme. Kurz bevor ich oben ankam entschloss ich mich zu gehen. Zu langsam war ich beim Laufen geworden. Und tatsächlich konnte ich beim gehen einen Läufer überholen. Der sah mich an- und ging nun ebenfalls. "Hast ja Recht" sagte er mir noch. Hier hatte ich schon eine Läuferin überholt von der ich später noch berichten werde.
Dann waren wir oben, auf der Dahner Burg. Endlich, völlig ausgepowert Puls 180. Tempo trotzdem noch eine 5:51 nach 4:41 und 4:59 für die ersten zwei Kilometer.
An Ausruhen konnte man aber nicht denken. Es folgte ein sehr, sehr steile bergab führende Strecke. Freier Fall, so kam es mir vor. Richtig schnell laufen nicht möglich, höchstens 4:30 oder so. Und wieder ging es hoch, wieder ging ich das letzte Stück, sparte Kräfte, versuchte den Puls einigermaßen unten zu halten. Trotzdem wieder 180. Nachdem auch dies geschafft war (und ich auch) wurde es besser doch bei km 5 hatte ich schon einen Rückstand von über 30 Sekunden auf die die geplanten 50 Minuten. So langsam musste ich mir was einfallen lassen, Tempo erhöhen.
Und es wurde besser, konnte schneller laufen, fühlte mich sogar wohl, denn das Profil lag mir nun. Wellige Waldwege, viele Windungen- schön!
Tempo nun knapp über 5 Minuten/km. Aber ich schaute nicht auf die Uhr sondern auf den Weg und auf die Läufer vor mir. Konnte aufholen, überholen wurde aber auch von einem überholt dem ich zwar am Berg davonlief aber auf den Bergabstücken konnte ich ihm nicht folgen.
Noch zwei Kilometer ! Jetzt aber Gas ! Alle Reste mobilisierend lief ich km 9 in 4:08. Noch einer, nur noch ein km ! Nicht nachlassen, auch wenn dein Körper eigentlich nicht mehr will. Der Kopf ist gefordert. Lauf, Lauf weiter, lass nicht nach, noch eine Biegung, da vorne noch 200m - das Ziel. Daneben die Uhr : 49:00 ! Kopf hoch, Brust raus, noch mal Tempo und durch ! Es würde reichen- es reichte ! 49:37- geil! Durchnsittspuls 172, Pace 4:58, ca. 250 Höhenmeter. Und...der Schürsenkel hat gehalten :-)

Ausschnaufen, ein Becher Tee, Pia kam und gratulierte mir (sie konnte nicht mitlaufen da sie lange arbeitete)- es war geschafft. Jens war schon da brauchte nur 48 Minuten für die Strecke, danach kam Martina mit 54:50 und Isolde erreichte nach einem Sturz mit 1:05:29 das Ziel,
kurz danach noch Hans-

alle hatten es geschafft. War ein schweres Stück Arbeit, aber auch schön. Eben ein Naturlauf!
Nun aber zu der absoluten Unverständnis meinerseits über manche Läufer. Nein ich rede jetzt nicht von dem Verfolger der mich 4km die Führungsarbeit machen lies um dann vorbei zu ziehen, nein ich rede z.B von der jungen Frau die ich bei km 2 oder 3 überholte.(siehe Bild weiter oben ) Schon öfters habe ich sie bei Läufen schon gesehen, jedesmal rennt sie los, jedes Mal gehe ich dann an ihr vorbei. Aber dieses mal war es erschreckend. Ich war schon längst im Ziel da kam sie, nein ging sie Richtung Ziel. den Mund weit aufgerissen, den Blick starr torkelte sie, begleitet von einem Mann. Man sah, dass sie definitiv nicht mehr bei sich war, dass sie nicht fähig war die Situation einzuschätzen. Und trotzdem nahm man sie nicht aus dem Rennen, lies sie laufen. Wo bleibt da der gesunde Menschenverstand der Sanis, des Veranstalters ? Kurze Zeit vorher war schon ein Läufer auf der Zielgerade zusammen gebrochen. Hätte das nicht eine Warnung sein müssen ? Ich mache nicht den Läufern ein Vorwurf, denn die wussten nicht mehr was sie taten. Die Strecke war eben sau schwer und einige scheinbar schlecht vorbereitet. Aber da muss doch der Rettungsdienst rechtzeitig eingreifen.
Trotzdem werden wir morgen früh, hoffentlich wohlgelaunt den Pfälzerwald Marathon angehen, im Training natürlich. Schön langsam beginnen und wenn ich Probleme bekomme werde ich auch früher aufhören. Ich muss mir nichts mehr beweisen. Es wird schwer werden und hoffentlich bleibt der gemeldete Dauerregen weg, aber wir tun es.
Das nächste größere Ereignis wird am nächsten Samstag sattfinden. Wenn nichts dazwischen kommt werde ich beim Nürburgringlauf mitmachen. Mal was ganz anderes und ein Profil das mir gefällt. Gerade die Bergaufpassagen sind ein gutes Training für mich.
Bilder vom Kerwelauf :

und von danach :-)
Leider habe ich es verpasst da mal wieder mit zu fahren :
Ps: Der schnellste brauchte gerade mal 35 Minuten für die 10 km. Unbegreiflich bei dem Profil.

Kommentare:

Laufhannes hat gesagt…

Ein schönes Profil :-) Wobei es mir da ähnlich geht wie dir: An sich sind die Höhenmeter kein Problem, doch am Limit möchte man die eigentlich nicht laufen (bzw. tut man sowieso). Von daher umso mehr Glückwunsch, dass du dein Zeitziel so exakt gepackt hast!

lizzy hat gesagt…

Ach, ich mag so Huckelläufe eigentlich auch viel lieber. Aber hier gibt's ja keine Huckel ;-(

Sieht auch nach Spaß bei euch aus! *daumen*

weinbergschnecke hat gesagt…

Uffffz - nicht ohne, in der Tat, dieses Profil! Respekt für's Durchziehen - ich hoffe, es hat deinen M-Streckenbesichtigungsplänen nicht geschadet! ;-)

Über solche unvernünftigen Leute wie diese Frau (und die Leute, die sie aben weiterlaufen lassen), kann man echt nur den Kopf schütteln. Klar, würde ich jemals so überziehen wie sie, würde bei mir vielleicht auch das Hirn aussetzen (das scheint ja ein nicht allzu seltenes Phänomen zu sein), ich würde weiterrennen und sauer sein, wenn mich dann jemand aus dem Wettkampf nehmen will. Aber letztlich wäre es m.E. die einzig angemessene Lösung!

vg,
Anne

Monika hat gesagt…

Schönes Profil mit "Bodenwellen"! *grins*

Habt Ihr alle fein gesprungen!

LG Moni

Jörg hat gesagt…

Schönes Ergebnis bei einem Lauf mit spannendem Profil. Ich mag ja sowas auch, aber 10 km ist schon echt fies. So kurz.

Grüße

Jörg

Martin hat gesagt…

@Laufhannes:
genau so ist es. Im Training spaßig- während des Wettkampfes hart. Und am Limit war ich definitiv beim Berg!
@Lizzy:
Och ich hätte ein paar abzugeben. Soll ich sie dir häppchenweise schicken ?
@Weinbergschnecke :
Hallo, schön mit dir gesprochen zu haben!!!
Also wie ich die schon am Telefon sagte, kann ich es auch heute noch nicht verstehen, warum die nicht reagiert haben. Gesundheit steht doch wohl vor allem Ehrgeiz. Und ob ich nun als 55. oder 70. ins Ziel komme- wer will das wirklich wissen ?
@Monika:
Gelle, fast wie Wildpferde! Oder eben die großen grauen Tiere mit den großen Ohren, die da in Afrika leben.
Jörg:
Ja du hast keine Chance, verlorene Zeit wieder aufzuholen. Ist eben eine Hetzerei- auf der anderen Seite war ich doch froh im Ziel zu sein ;-)

Stefan hat gesagt…

Hallo Martin,

nur als Information für dich. Wir als Sanitäter (Rettungsdienst) können bzw. dürfen Läufer nicht aus dem Rennen nehmen. Jeder Läufer muss für sich entscheiden, ob er den Lauf zu ende bringt oder nicht.

Selbst wenn ein Läufer "zusammenbricht" wir kommen bei ihm an, er steht auf und will weiter laufen, haben wir keine möglichkeit in nicht weiterlaufen zu lassen. Das einzige was wir in dem Fall tun können ist ihm zu Empfehlen nicht mehr weiterzulaufen. Zwingen können wir ihn nicht.

Martin hat gesagt…

@Stefan: Danke für deine Info, wusste ich nicht. Aber wenn doch derjenige nicht mehr selbst entscheiden kann (und bei der Frau erschien es mir so, hatte ja selbst einige Jahre regelmäßig Sani-stunden) wie ist es dann? Ich bin mir sicher dass daran unsere Rechtsprechung "Schuld" ist, aber ich finde es schon seltsam, dass Fchleute wie Ihr das nicht dürft. So gesehen habe ich Euch Unrecht getan. Sorry!

Stefan hat gesagt…

@ Martin: Das Hauptproblem ist, das wir, vom anschauen der Läufer, entscheiden können, in wie weit, der Läufer noch seinen eigenen Willen äußern kann.
Es kann auch jemand der schon 10 Jahre regelmäßig läuft im Ziel nicht so gut aussehen und bei ihm ist es vollkommen normal.

Uns wurde (im nachhinein) zugetragen, das Läufer zu dieser Läuferin gesagt haben, sie soll abbrechen und die Antwort von ihr war: Nein ich zieh das durch.

Also, leider nichts zu machen