Samstag, 6. März 2010

Nachdenklich

In letzter Zeit passieren viele Dinge, bei denen ich an den Menschen zweifle. Und nicht nur an denen. Da wird die Politik in aller Öffentlichkeit ohne Hemmungen von Lobbyisten bestimmt (nenne hier nur den reduzierten Mwst-Satz bei den Hotels, oder das aufgeweichte Rauchverbot in Kneipen) das einem gruselt. Und ich dachte "Thank you for Smoking" wäre übertrieben.
Dazu die Berichte über Kindesmissbrauch in Klöstern, in Schulen, bei den Regensburger Domspatzen- entsetzlich. Jahrelang totgeschwiegen, vertuscht von den Leuten die nun Aufklärung versprechen. Was sind wir doch nur für eine Spezies.
Auch in der Internationalen Politik ereignen sich Dinge die eigentlich zum Lachen sind- wenn sie nicht traurig wären. Nehmen wir was leichtes am Anfang :Griechenland ! Da fordert ein Staat der korrupt ist bis zum letzten seine Bürger auf Geld zu spenden, damit er aus der Finanzkrise kommt, Abgesehen davon, dass ich dies für absolut absurd halte, wenn dann einer spendet, wird man sich bestimmt erkenntlich zeigen. Und schon beginnt die Geschichte von vorn.
Und was ist sonst los in der Welt ? Da wird gemordet in Gottes Namen, in Allahs Namen und was weiß ich noch in wessen Namen. Aber vor allem geht es um die Namen :Profit, Einfluss, Macht. Und dafür sterben Menschen.
Auch privat erlebe ich Dinge mir wirklich zu denken geben. Ein Patenkind ist für Monate in der Klinik, tauscht Jugendzimmer und Schule gegen lange Gänge und Therapie ein. Hat Magersucht und ist doch lebenslustig wie wir bei einem Besuch feststellten konnten. Warum das Essen ein Problem ist - keine Ahnung. Außer sie nun regelmäßig zu besuchen können wir nichts machen. Ein Besuch dort und man weiß, welches Glück wir haben.
Glück das andere auch nicht hatten. Eine ehemalige Trainerin meiner Tochter hat wohl den schwersten Verlust erlitten, den man sich vorstellen kann. Ihre Tochter wurde nicht mal 3 Jahre alt. Was passierte wissen wir nicht, aber das Leid können wir uns nicht vorstellen. Wie damit weiter leben?
Also was tun ? Atmen! Leben! Laufen ?
Nur für sich selbst hat man die Verantwortung , nur für sich selbst kann man sein Leben lebenswert machen, nur für sich selbst kann man dafür sorgen, dass am am Schluss rückblickend sagen kann : Es war gut so.

Wie können Kriegstreiber, Lobbyisten, Demagogen, Kindesmisshandler ruhig schlafen? Werden sie jemals dafür zur Verantwortung gezogen, können sie jemals wieder gut machen ,was sie verursacht haben?
Ich muss wohl morgen lange laufen um wieder einen klaren Kopf zu bekommen.
Am Schluss noch die unvermeidlichen Bilder. Gestern Abend sah es so aus :


Und heute morgen um 7.00, nicht mal 12 Stunden später so :

Kommentare:

Blumenmond hat gesagt…

In meinem Umfeld passieren auch gerade viele merkwürdige Dinge.

Ein Kollege von mir sagt immer "Der Mensch ist das schlimmste Raubtier von allen." Recht hat er, auch wenn einem das nicht so ganz in die Birne passt, weil man - warum auch immer - vielleicht darauf achtet, seinen Mitmenschen nicht bewusst Schaden zuzufügen.

Ich bin froh, dass ich so viele Menschen um mich rum habe, die ähnlich denken.

Mein Hass-Thema ist im Moment der Kölner U-Bahn-Bau.... aber darüber schreibe ich jetzt nicht. ;-)

Hase hat gesagt…

Es ist immer sehr bewegend, an deinen nachdenklichen Blogeinträgen teilhaben zu dürfen, Martin. Ich drück dich mal.

feuerpferdle hat gesagt…

Es gibt so vieles auf der Welt, was man nicht verstehen, nicht nachvollziehen kann. Menschliche Abgründe können sehr tief sein.

Und wie Du schreibst - man kann nur für sich selbst und sein Leben die Verantwortung übernehmen. Und so leben, dass man sich morgens täglich beim Blick in den Spiegel in die Augen schauen kann.

Ich liebe das Laufen auch, weil ich meinen Kopf frei bekomme...

Laufhannes hat gesagt…

Um sich über das alles einmal so richtig klar zu werden und vor allem damit klar zu kommen, muss wirklich ein langer Lauf her.

Aber, ohne jetzt ignorant klingen zu wollen, denke ich, dass man sich darum nicht so sehr einen Kopf machen sollte. Ja, es ist eine grausame Welt, in der man das eigene Glück enorm schützen muss - aber letztlich muss man sich eben um sich selbst kümmern und sein Leben machen.

Frollein Holle hat gesagt…

Die Welt und die Menschen ist wohl heute nicht schlechter als sie es immer schon war - Religionskriege, Völkermorde, Inquisition, die Gesichter sind sich alle so ähnlich.

Aber ganz wichtig - die Welt ist grausam, manchmal, ja....aber auch schön. Es gibt immer Licht und Schatten. Und es gibt ebenso viele wundervolle Menschen wie grausame, gewissenlose. Nicht vergessen, ok? ;)

unimatrix_zero hat gesagt…

Martin, vor 12 Jharen ist mir mein ach so sicherer Boden unter den Füssen weggeflogen und ich hatte nichts mehr. Übrig von den vielen die sich meine Freunde nannten blieb nur einer. Der war vorher schon da und ist es noch immer!
Ich glaub gegen die Lobbiisten und "diewerden es schon machen" können wir nur an wenn wir zusammen halten denn sonst werden wir Mutterseelen allein sterben.
Aber ganz wichtig ist einzusehen das der wichtigste Mensch in einem Leben man selber ist!

ultraistgut hat gesagt…

Nicht nur heute gibt es Dinge und Grausames, die uns schlecht und ungerecht erscheinen, das gab es schon immer und wird es wohl auch in der Zukunft immer geben.

Umso mehr ein Grund, dankbar zu sein für das gute Leben, das uns gegeben wird, und dunkle Stunden helfen nachzudenken und leichter zufrieden zu sein !

Martin hat gesagt…

@Blumenmond:
Achja die U-Bahn !
Aber mein ansolutes AUFREGTHEMA ist seit gestern, dass ein Pater einer Schule öffentlich zugibt in früheren Jahren (wir reden nicht von Jahrhunderten sondern von einzelnen Jahren) Schüler misshandelt zu haben (inkl. Stockschläge) und keinen Grund sieht zurückzutreten- Frau Käßman konnte eine Alkoholfahrt nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren und trat zurück. Schläge sind warscheinlich nicht so schlimm. Ich könnt mich aufregen- da glaubst es nicht!
@Hase :
Danek, tut gut ;-)
@Feuerpferdle:
Und deshalb freue ich mich auf meinen heutigen Lauf umso mehr -und auch um wieder ein paar Kilometer eintragen zu können ;-)
@Laufhannes:
Nicht immer macht man sich Gedanken, zum Glück, aber wenn man nur gedankenlos seinen eigenen Weg geht- spielen wir dann nicht den anderen, den Gewissenslosen, in die Hände ?
@FrolleinHolle:
Klar früher war, so schätze ich die Sache ein, die Welt wohl eher noch grausamer. Deine Beispiele sagen es ja aus, aber sollten wir uns nicht weiter entwickeln? Oder besser gesagt, sollen wir immer wegsehen ?
Zum Glück kenne ich viele der "anderen" Menschen, die nicht gedankenlos leben, die sich kümmern, die nicht wegschauen, die für andere da sind- oder einfach glücklich sind ohne sich auf anderen abzustützen.
@Unimatrix_zero:
Du hattest es ja einmal erwähnt, ich erinnere mich. Zusammenhalt ist der richtige Weg - und- Familie und Freunde. Es klingt abgedroschen, aber es ist wahr :Richtige Freunde lernt man in der Not kennen.
@Ultraistgut:
Ich würde es nicht unbedingt dunkle Stunden nennen wollen. Es ist eher so eine Wut die einfach irgendwann mal raus muss. Obwohl Wut nicht das richtige Wort ist- jedenfalls teilweise- oft ist es einfach Ohnmacht.

Blumenmond hat gesagt…

Im Zusammenhang mit den vielen nun aufgedeckten Mißbrauchsfällen der katholischen Kirche gab es ein Statement, dass man in den 60er Jahren davon ausgegangen ist, dass Kinder eine solche Mißhandlung vergessen. Das Thema wurde nicht ernst genommen.

Bei uns im Dorf wurde unter vorgehaltener Hand vom verstorbenen Popen berichtet, der dafür bekannt war, Jungs anzufassen. Zur Ehre hat er das größte Grab auf dem Friedhof im Dorf. Die Leute haben sich nicht getraut, dagegen aufzubegehren. Man schob manch komisches Verhalten von Männern im Dorf auf diese Taten.. aber wie gesagt, nur unter vorgehaltener Hand.

Und was Schläge angeht? Da kenn ich selbst den Spruch "das hat noch niemandem geschadet". Doch hat es und tut es... ganz sicher.

Hans hat gesagt…

Die Welt war schon immer schlecht.
Aber Google und Co. haben sie erst
tranparent gemacht.

Pienznaeschen hat gesagt…

Lieber Martin,

traurig, nachdenklich und manches mal fassungslos beim Blick in die Welt ... mhhh, laufen hilft da ein wenig zum abschwächen. Innehalten und dankbar sein das es einem selbst gut geht ... trotzdem, auch wenn jeder für sich verantwortlich ist um glücklich zu sein, manchmal ist das Leben auch einfach nur ungerecht und gemein. Dennoch, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied - machen wir das Beste draus und laufen und das ein oder andere Mal einfach froh ;)
Wie lang war denn heute der Lauf?

Evchen hat gesagt…

Martin, ich habe jetzt schon ein paar Mal angesetzt, etwas zu Deinem Beitrag zu schreiben und jedes Mal hätte es annähernd Romanlänge.
Ich versuche, das zu beeinflussen, was ich beeinflussen kann und mich von dem, was ich nicht ändern kann, nicht mürbe machen zu lassen.
Ich glaube, nur so kann man dauerhaft gesund bleiben.
Sich bewußt machen, was man hat, ja....

michi hat gesagt…

Tja, und wenn man dann zu Blumenmonds Beitrag bedenkt, wie lange, jahrelang, ein ganzes Leben, die Opfer solche Vergehen in sich tragen, vielleicht nie mehr jemandem vertrauen können und noch schlimmer, dann fragt man sich doch, wenn man jetzt schon wieder die Diskussion liest, wann Missbrauch verjährt sein sollte. Für die Opfer wird er sicher niemals verjährt sein.
Aber es wird auch jetzt sicher wieder unter den Teppich gekehrt, wie die Jahre zuvor.

Der Kölner U-Bahn-Bau treibt auch auf die Palme. Aber so vieles momentan, wo man liest oder hört, es passieren so viele schlimme Dinge.