Montag, 20. Oktober 2014

Vergangene Zeiten, Vampire und andere Nachtschattengewächse

Santa Maria, immer wieder Santa Maria und Roland Kaiser. Der Wind hat kein Erbarmen und trägt die Musikfetzen mit sich und weht sie mir um die Ohren. Dabei ist der Tag doch so schön. Blauer Himmel, 22° und die Liege im Garten ist besetzt-von mir.
Blick von der Gartenliege :-)
 Als Kind der Stadt bin ich ja mit dem Jahrmarkt groß geworden der zwei Mal im Jahr seine Buden und Attraktionen aufschlug. Habe überall Geld gesammelt um sie dann schnellstmöglich in Autoscooter Chip oder Berg-und Tal Fahrten umszusetzen. Letzteres war besonders beliebt, da man sich unweigerlich näher kam :-)
Hier auf dem Dorf / dem Vorort war das natürlich alles ein bisschen kleiner-und wurde immer weiter reduziert. Als unsere Tochter noch klein war, ging die Kerwe noch 3 Tage, ganz früher sogar von Samstag bis Mittwoch, heute ist am Montag schon Schluss. Die Fahrgeschäfte sind auf ein Minimum reduziert, nur noch ein paar "Zucker und Futterbuden" sind noch da. Die Konkurrenz der Unterhaltungselektronik ist zu groß geworden. Ein bisschen Schade sicherlich, aber die Zeiten ändern sich und werden sich weiter ändern. Ich denke unsere Eltern und Großeltern dachten genauso. Und wahrscheinlich sang Roland Kaiser schon damals sein Lied.
Seit gestern bin ich nun ein Vampir. Schlafe tagsüber (eher schlecht wie recht) und arbeite nachts. 2 Wochen wird das nun so gehen. Wobei, entgegen vieler Meinungen, nachts nicht gerade ruhig gearbeitet wird. Probleme treten immer auf und müssen gelöst werden, egal ob draußen die Sonne scheint oder der Himmel schwarz ist. Die erste Nacht habe ich gut hinter mich gebracht, nur mit dem Schlafen heute hat es nicht so hingehauen. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier. Interresant ist es aber immer wieder nachts in den Straßen unterwegs zu sein. Egal ob als Läufer oder im Auto. Nun ist Pirmasens nicht gerade eine pulsierende Großsstadt, hier ist es um 21.00 Uhr schon sehr ruhig. Du siehst kaum Leute auf der Straße, nur hier und da streichen sie durch die Nacht. Die Fenster der Wohnungen sind beleuchtet und drinnen wird  gebannt in die Röhre geschaut. Die Dunkelheit deckt so manchen Schandfleck wohlwollend zu, lässt anderes zum Vorschein kommen. Mir kommt dann immer dieser Titel von Subway to sally in den Sinn, ein Lied das schon Jahre zu meinen Lieblingssongs gehört. Vor allem der Text begeistert mich immer wieder
<iframe width="640" height="480" src="//www.youtube.com/embed/o_8zQUY4t9g" frameborder="0" allowfullscreen></iframe>
So gesehen hat  durchaus auch der kommende Winter seine Vorzüge, seine kurzen Tage, seine kalten Nächte. Wir werden wieder, dick vermummt, durch die Schatten laufen, um die Häuser der Stadt ziehen. Werden denen begegnen die auf dem Weg nach Hause sind, die noch schnell mit dem Hund raus gehen, oder einfach ziellos umherstreifen. Werden seltsame Blicke ernten und unseren Atem im Schein der wenigen Straßenlampen sehen. Nicht jeder mag das, doch für mich gehört diese Art zu laufen einfach dazu. Tagsüber würde ich nie durch die Stadt laufen.
Doch noch ist es nicht soweit. Heute Nacht wird wieder gearbeitet, während es drumherum immer ruhiger wird, und andere in ihren Träumen Abenteuer bestehen.  Ich versuche meine Träume, wenn möglich, zu leben.
Unterwegs gerettet-eine Blindschleiche auf dem Radweg
So langsam wird es bunt

Kommentare:

Blumenmond hat gesagt…

Lieber Martin, das liest sich immer so schön und auch so ehrlich. Ich freue mich für Dich und Euch. Ihr macht das richtig. Und, einen Traum zu leben, muss eben nicht bedeuten, eine Finca auf Malle zu haben. Einen Traum zu leben, heißt eben auch, liebe Menschen um sich rum zu haben und zu wissen, dass es so ist.

In dem Sinne... gutes Überstehen der Nachtschicht und wunderbare Winterläufe.

Anja

Martin hat gesagt…

ich werde mich bemühen Anja und darauf achten dass ihr heute Nacht nur gute Träume habt

Claudi hat gesagt…

Hey Martin,
hier lese ich schon seit Monaten nichts mehr... sehr schade. Ich hoffe sehr, es geht Dir gut?
Liebe Grüße,
Claudi

Martin hat gesagt…

Claudi:
Du hast mich aus meinem Dornröschenschlaf geweckt! Danke !