Dienstag, 29. Januar 2013

Fehlstart in die M 50-oder die Psychologie des Verweigerns

vorne Carola, ich mit  Gelb in der Mitte,
So hatte ich mir das nicht vorgestellt! Die Trainingseinheiten verliefen gut egal ob flach, ob Schnee ob bergauf-alles verlief zufriedenstellend-und dann kam Rodgau.
Die 50km werden in 5km Runden gelaufen und so-und das war mit ein Knackpunkt- kannst du alle 5km deinen Lauf beenden. Sie führt die ersten 2km über geteerte Feldwege, dann ein paar hundert Meter Wald inkl. einer Pendelstrecke um dann wieder über Feld erneut auf dem letzten Kilometer durch einen Wald Richtung Ziel abzubiegen. Keine nennenswerte Steigung und breite Wege, also alles kein Hindernis um schnell zu laufen-wäre da nicht das Rodgau -Wetter. Nach den Bildern am Vortag ging ich davon aus, dass etwa 1km schneebedeckt wäre (der letzte Kilometer) doch es waren über 3km der Runde die weis waren.
Die Anreise verlief problemlos und wer jemals auf einem Ultralauf war weiß-es gibt keine Gegner außer dir selbst und alle Läufer sind dort viel entspannter und freundlicher. Kein Gedränge, keine Berührungängste-eine große Gemeinschaft von Verrückten eben.
Die Temperaturen bewegten sich bei -4° C und der Wind war merklich spürbar solange man nicht rannte. Schon auf dem Weg von der Halle zum Start lernte ich neue Läufer kennen, unterhielt mich prima über Biel (ein Traum von mir) und andere Dinge. Das macht so eine Veranstaltung eben aus. Kurzes Herunterzählen und los ging es, der Trupp von etwa 750 Läufer setzte sich in Bewegung. Leider hatte ich noch nicht Carola gefunden, denn mit ihr wollte ich die Runden bestreiten und mit etwa 4:30 Stunden ins Ziel kommen. Das Gedränge auf den ersten beiden Kilometern war groß, viele langsame Läufergruppen machten die breite Wege eng, jedes Überholen führte zu Umwegen über Feld und Co. Dann sah ich an der Pendelstrecke dass Carola vor mir war, etwa 200m und die begann ich dann aufzuholen. Kurz vor Ende der ersten Runde schloss ich auf und wir waren sofort eine tolle Dreiergruppe der sich noch eine weitere Läuferin anschloss.
Noch einmal zum Weg: Die Runde sieht so aus :

200m hinter dem Start geht es scharf rechts rum und in der folgenden 90° Kurve folgt dann auch der Verpflegungspukt. Dann gerade aus, rechts um um dann in den Wald zu kommen. Bis hierher war der Weg gut zu laufen, der Asphalt war fast frei vom Schnee. Dort wo der Wald begann, begann auch der Schnee, der dann über die Pendelstrecke (oben) bis ins Ziel vorhanden war.
Wie quatschten und liefen. Runde 1 in 26:39- passt. Runde  2 in 27.03, Runde 3 in 26:58-prima, alles im Plan. Dann machte ich meinen ersten Fehler-ich verließ die Gruppe um mein Tempo beizubehalten, denn die anderen wurden minimal langsamer. Doch erst einmal lief es weiter gut. Nach 20km und 4 Runden lag ich weiterhin im Soll-sogar etwas schneller. Doch nun wurde es von Runde zu Runde schwerer. Der Schnee wurde teils matschig, teils war er darunter gefroren. Jeder Schritt in dem weisen Matsch-Eis-Schnee Gemisch, waren eigentlich zwei, denn ein festes Auftreten war ohne den anschließeden Rutscher nicht möglich. Nicht stark, aber eben jedesmal ein paar wenige Zentimeter auf die Seite oder nach hinten ab abdrücken. Trotzdem auch nach 25km war es noch gut und die letzte Runde hatte ich in 27:17 beendet. Nur noch 5 Runden! 5 Runden noch ? Naja, du kannst das, hast es schon öfters gemacht. Allerdings begann auf dem Schneestuck meine linke Fußsohle zu brennen, ich rutschte im Schuh irgendwie hin und her und mir kam es vor, als ob jede Unebenheit direkt durch geleitet wurde. Km 30-letzte Runde in 27:37-zu langsam um meine PB zu brechen aber immer noch auf Kurs von etwa 4:35-4:45 Stunden. Doch wollte ich das ? Jetzt zogen sich die Meter. Auf dem Asphalt lief es noch gut, aber auf dem Schnee gar nicht mehr. Ich verlor die Lust -aber so richtig. Auf den Kilometern 30-35 wurde mir klar-ich beende den Lauf nach 35km. Ich wollte nicht mit 4:45 oder so was ins Ziel kommen, ich wollte nicht noch 3 Runden laufen und dabei evtl. wieder so Beschwerden wie nach dem Marathon in Frankfurt riskieren-bei Pferden nennt man so was  glaube ich, Verweigerung. Und so kam es-nach dem siebten Durchgang lief ich nicht gerade aus, sondern bog ab neben die Strecke. Der Sieger wurde gerade interviewt- er hatte uns schon nach 10km überundet und seine Marathondurchgangszeit lag etwa bei 2:47-und das bei den Bedingungen!!
Diese Meter neben der Strecke waren die schwersten. Gewissensbisse, Wut und Zorn über mich beherrschten mein Denken. Noch nie hatte ich einen Lauf vorzeitig aufgegeben und vor allem- es wäre ja noch gegangen! So verletzt, so starke Schmerzen hatte ich ja nun wirklich nicht. Es war einzig und allein das Hirn, das nicht mehr wollte-keine vollkommen neue Erfahrung, aber bisher konnte ich trotzdem weiter machen, dieses mal nicht.
Wie ein geprügelter Hund fühlte ich mich, enttäuscht von mir. Und das wo ich zum ersten mal für die Lauffreunde Pirmasens startete und dazu mein erster Lauf in der M50 überhaupt.. Auch nach dem Duschen fühlte es sich nicht besser an und auch die Tatsache ,dass viele Läufer ebenfalls vorher aufhörten, stimmte mich nicht wirklich positiv. Ich futterte noch eine Suppe in der Halle, trank 1 (!) Liter Cola, führte noch ein paar nette Gespräche, doch meine Laufgruppe sah ich nicht mehr.
Natürlich war es wohl vernünftig nicht unbedingt die 50km zu laufen, aber was nutzt das ? Zum ersten Mal DNF (Did not finished) nach 10 Jahren laufen ist eben nicht schön und so richtig verstehen tue ich es immer noch nicht. Morgen werde ich wieder laufen und ich denke so langsam werde ich das Geschehene als Erfahrung die man wohl mal machen muss, abhaken können. Die nächsten Ziele warten!
35km in 3:11:21

Vor dem Start

unterwegs Richtung Ziel, etwa bei km 4,5
Carola in Action-sie hat alles richtig gemacht und kam problemlos ins Ziel
Und auch er hatte keine Probleme heute

Kurz vor dem Start

Kommentare:

kanko Miess hat gesagt…

Problem erkannt - Problem gebannt! Nächstes Jahr machen wir vor dem Start einen ausgiebigen Schuhtest und dann rocken wir die 10 Runden durch ... wie lange das auch dauern mag (bei mir sicher ca. 2 h länger als bei dir :D). Die Köppe geben wir natürlich vorher an der Wertsachenaufbewahrung ab ;)

midlifecrsis hat gesagt…

Ich kann mir vorstellen, wie Du Dich gefühlt hast, als Florian Neuschwander zum ersten Mal leichten Fußes an Dir vorbeigelaufen ist. Der kommt aus Trier und ist ein ganz netter Kerl. Allerdings saumäßig schnell.

Du wirst den mentalen und körperlichen Ausstieg verkraften. Es gibt Schlimmeres. Und aus jedem Lauf lässt sich etwas lernen. Im Zweifelsfall, dass die Ambitionen den äußeren Umständen angepasst werden sollten. Das werde ich mir merken.

Hauptsache, Du hast Dich nicht übernommen und das Sulzabenteuer ohne Schaden überstanden. Dass Du 50 km kannst, das steht eh außer Frage.

Liebe Grüße
Rainer

weinbergschnecke hat gesagt…

Mund abputzen und weitermachen, lieber Martin! Es war eine sehr vernünftige Entscheidung, das Ganze abzubrechen! Wenn du die Nummer durchgequält hättest, dann hättest du mMn eine lange Zwangspause riskiert - das geht nicht, du willst im Frühjahr und Sommer noch ein paar Dinger rocken!
Im Schuh hin und herzurutschen klingt extrem doof - kannst du da nicht was mit der Schnürung probieren, so mit Blick auf die nächsten Läufe?
Also: Kopf hoch!

Liebe Grüße,
Anne

P.S.: Der Sieger vom Samstag bloggt neuerdings auch: http://run-with-the-flow.com/ !

Anonym hat gesagt…

Don't mind! Wir sehn uns dann in Biel ("Guter Dinge und auf zwei Füßen ankommen") Stephan

lizzy hat gesagt…

Bei diesen Verhältnissen wär' ich auch ausgestiegen schätze ich und hätte ein erstes DNF hingelegt. Und das als reine Vernunftsentscheidung gesehen.
Ich meine: sich für sowas spassbefreites die Form und womöglich auch noch die Gesundheit in den Keller laufen? Muss ja nicht sein ....

Claudi hat gesagt…

Lieber Martin,
das tut mir leid. Einen Lauf wegen solcher Umstände aufgeben zu müssen ist zwar vernünftig, aber fein ist es trotzdem nicht. Beim nächsten Mal läuft's wieder besser.. und einmal ist eben immer das erste Mal.
Kopf hoch!
Und ganz liebe Grüße!

Martin hat gesagt…

@Kanko Mies:
Aber wenn es wieder so nerviges Wetter ist, dann erfrieren uns doch oie Köppe wenn wir sie vorher abgeben ! :-)
@Rainer:
ich habe deb Florian in der Kabine getroffen, ist echt ein netter Kerl. Leider muss ich ihm beim nächsten Mal die Beine brechen :-) Aber ich werde jedes mal dort zu beginn der dritten Runde überholt, ist deswegen nichts neues. Und vielleicht war dies auch ein Grund-ich bin ja schon zwei Mal dort gelaufen und wusste, dass ich es packe. Und dann ist der Ehrgeiz nicht mehr sooo groß.
@Anna:
Es sind die Salomon Spedcross udn die haben ja so eine spezielle Schnürung die eigentlich gut hält, aber dort gab sie wohl etwas nach-hätte ich aber auch beheben können :-(
Und den Blog merke ich mir !

Martin hat gesagt…

@Lizzy : Genau, wir machen das ja jetzt wirklich nicht für Geld und Ruhm..ok vielelicht ein bisschen Ruhm :-)
@Stephan:
Ich arbeite daran !
@Claudi:
Danke sehr-ich denke ja auch positiv!

Andreas hat gesagt…

Ich kann das gut nachfühlen, genauso ging es mir vor zwei Jahren, als ich – auch aus gesundheitlichen Gründen – beim Berlin-Marathon ausgestiegen bin. Fühlt sich wirklich nicht toll an... Aber mach dir nichts draus, vernünftig war es allemal! Kopf hoch und auf zu neuen Abenteuern!