Mittwoch, 5. Oktober 2011

Ein Marathon ist ein Marathon, ist ein Marathon

Das Phänomen Marathon.
Mal ehrlich wer von uns Läufern die schon einige Marathon gelaufen haben, hat nicht schon gedacht :Ein Marathon in 5 1/2 Stunden ist ja gar nicht so schwer, das kann ja fast jeder. Ist das denn überhaupt noch ein Marathon? Wie überheblich man doch manchmal ist.
Gerade der Marathon letztes WE hat mir gezeigt, dass dort bei den Läufern die gegen Ende stehen, genauso, wenn nicht noch härter gekämpft wird. Natürlich gibt es da auch Läufer die einfach genießen wollen, aber die meisten sind sich doch nicht mal sicher ob sie die Strecke schaffen, oder die Strecke sie. Wer von denen die am Straßenrand stehen, weiß was für Strapazen schon im Training erlebt wurden, welche Überwindung es oft kostet trotz Unlust die Schuhe zu schnüren und raus zu gehen, während andere gemütlich zu Hause bleiben. Wie oft man Rückschläge einstecken musste und doch weiter gemacht hat. Hat man trainiert, sich mental darauf vorbereitet, alle Lektüre gelesen, alle Ratschläge sich angehört, das richtige gegessen, die richtigen Schuhe angezogen, genug geschlafen etc. steht man dann am Start und ist trotzdem total verunsichert.
Ein Marathon ist ein Marathon und kein Spaziergang. Simpler Satz und doch war. Es ist eine besondere Beanspruchung von Körper und Geist. Gesund ist er auch nicht. Nur wer ihn bestritten hat weiß welche Gedanken einem da durch den Kopf gehen, welche Zweifel man hat. Gerade beim ersten mal, weiß man nicht wirklich was auf einen zukommt. Und wieder und wieder fragt man sich warum man sich das antut.
Warum?
Weil es etwas einzigartiges ist. Weil es ein Erlebnis ist, dass man mit nichts vergleichen kann. Weil es keine Gegner sondern nur Mitläufer gibt. In welchem Sport kommt es vor, dass ein überholender einem auf die Schultern klopft und sagt : Auf, komm ! Du schaffst es !
Bei welchem Ereignis kommen so viele unterschiedliche Typen zusammen die nur ein Ziel haben : Marathon!
Wo kann man sich so in Menschen täuschen wie beim Marathon ,wo dicke Frauen einigermaßen trainierte Männer locker überholen (ich spreche aus Erfahrung) ?
Wo laufen Weltrekordler und Amateure gleichzeitig? Wo lernt man sich so gut kennen, seine Möglichkeiten, seine Schwächen-vor allem aber seine Stärke? Wer einmal hier sich "besiegt" hat, seine körperlichen Probleme überlaufen hat, der weiß was er leisten kann, zu was er fähig ist. Man kann es nicht auf Schiedrichter oder sonstwas abschieben-nur man selbst ist für seinen Lauf verantwortlich.
Marathon, ein Wort das einen besonderen Klang hat. Ein Mythos ?-Sicherlich! Ein Wort, das viele leiden und noch mehr Triumphe verursacht hat.

Emil Zatopek hat Recht als er sagte :

Wenn du laufen willst, lauf eine Meile. Wenn du ein neues Leben kennenlernen willst, dann lauf Marathon

Und wir, die wir schon einige Marathon gelaufen sind, die ja ach so erfahren sind? Sind wir nicht oft geneigt, gefährdet so einen Lauf zu unterschätzen? Und wer hat nicht schon seine Lehren daraus ziehen müssen? Klar, es wird leichter. Es wird lockerer. Aber selbstverständlich wird es nie werden.
Die Begleitung am letzten Sonntag hat mir wieder gezeigt, was es bedeutet wenn jemand "MARATHON" schreit wenn er ins Ziel kommt. Wenn alle Emotionen raus müssen. Dafür bin ich dankbar und werde es behalten.
Was lerne ich daraus für mich?
Ich werde weiter laufen. Ich will mehr. Will soweit kommen wie ich kann. Will neue Wege erkunden, meine Grenzen suchen. Will mit anderen zusammen, mit mir alleine laufen. Ich will mein selbstgestecktes Ziel erreichen und wenn ich es erreicht habe vielleicht ein weiteres stecken. Wie weit-ich werde sehen, auf jeden Fall freue ich mich drauf! Ob es so weiter geht? Keine Ahnung. Aber, auf der anderen Seite- wusste ich vor meinem ersten Marathon ob ich ankomme?

Und ihr, die euch noch nicht getraut habt, die es sich sich noch gar nicht vorestellen konnte, die vielleicht auch zu viel Furcht gehabt hat...wenn ihr wirklich wollt und ihr es anpackt, kann ich euch versprechen-ihr werdet verändert sein. Vielleicht sieht man es nur an dem leichten Lächeln, wenn man davon spricht. Und dieses Lächeln ist nicht überheblich gemeint sondern einfach eine Erinnerung an ein Zeit wo man genau dies geschafft hat.
Nicht jeder hat das Ziel, aber die davon träumen kann ich nur ermutigen.

Kommentare:

Hans hat gesagt…

Und Haile hat einmal gesagt " ich bin zwar schneller als die Meisten, aber die 42 Kilometer sind für jeden gleichweit."

Blumenmond hat gesagt…

Schön geschrieben, sehr schön geschrieben.

Gerd hat gesagt…

Hast Du schön gesagt mein Freund. Und darum werden wir nicht müde werden uns dieser Herausforderung immer wieder zu stellen.
Ich freu mich auf Frankfurt!

weinbergschnecke hat gesagt…

Ganz toll beschrieben, lieber Martin! Ob mein Körper jemals wieder mitspielt und einen Marathon zulässt - keine Ahnung. Vielleicht bleibt meine Herausforderung immer ein bis zwei Nummern kleiner. Aber das ist eigentlich egal. Die eigenen Grenzen zu erreichen und - wenn möglich - weiter rauszuschieben, darum geht es (finde ich). Egal ob die Grenzen bei 21,1, 42,195, 60, 100 km oder mehr liegen. Die Erfahrung, dass die Grenzen nicht in Stein gemeißelt sind, ist es dann wohl, die das Lächeln auf's Gesicht zaubert ... YES, I CAN! 8-)

Liebe Grüße
Anne

dankvolker hat gesagt…

Hallo Martin,

Wort für Wort sprichst Du mir mit Deinem Artikel aus der Seele. Ich bin bislang zwei Marathon gelaufen und infiziert. Jeder der diese Strecke steht und das Training durchgezogen hat, verdient Anerkennung.

Herr Zatopek hat so Recht, wer Marathon läuft führt ein neues Leben. Danke für diesen tollen Artikel.

LG aus dem hohen Norden
Volker

Pierle hat gesagt…

Sehr schöner Text. Ich muß mir doch mal Gedanken über meine Planung für 2012 machen....
Mich hätte Köln jetzt auch schon gereizt - allerdings hätte der dafür notwendige Trainingsaufwand nicht gerade den Familienfrieden gestärkt ;-)

Aber vielleicht klappt es ja 2012 unsere Jungs werden ja auch immer größer ;-)

Martin hat gesagt…

@Hans: Ja aber der braucht nur etwas mehr als 2 stunden dafür rennen, also ich finde die müssten auch mal 4 Stunden unterwegs sein!

Martin hat gesagt…

@Anja:
Danke! Und wie sieht es bei dir aus? :-)

Martin hat gesagt…

@Gerd: Ich mich auch! Aber bei dem Wetter im Moment, ist mein Interalltraining heute Abend echt fies

Martin hat gesagt…

@Weinbergschnecke:
ich möchte es auch nicht am Marathon festmachen, für manchen sind schon 10km eine Wahnsinns Leistung-für andere sind 100km gerade recht. Das Lächeln ist nicht am Marathon festgemacht, wie du schon geschrieben hast

Martin hat gesagt…

@dankvolker:
Infiziert ist ausnahmsweise gut :-) Für mich ist zwar die Strecke jetzt nicht mehr so die Herausforderung, jedoch ist es die 3:30 die mich reizt/nervt. Ob ich es noch oft probieren werde weiß ich nicht, aber wenigstens in Frankfurt. Und ein Erlebnis ist es für alle !

Martin hat gesagt…

@Pierle:
Ja ich bin auch schon am planen und überlegen. ist aber verdammt schwer soweit nach vorne zu schauen, aber solche Strecken läuft man meistens eben nicht mal gerade so. Und es kann soviel dazwischen kommen.
Zum Glück läuft meien Faru auch und unsere Tocher ist ja schon groß, desshalb ist die Zeiteinteilung nicht ganz so schwer. Aber klar sind die Kinder absolute Prioität!

Blumenmond hat gesagt…

Pfft... ich sehe das ähnlich wie Weinbergschnecke und muss sowieso erstmal wieder auf die Bahn kommen. Ich fürchte, das dauert noch was.

Sinusläufer hat gesagt…

Genau so verstehe ich die Blogger- und Läuferfamilie und es wärmt mir das Herz solche Zeilen zu lesen. Sehr schöner Bericht!

Jörg hat gesagt…

Und nie sollte man den Respekt verlieren!

Martin hat gesagt…

@Blumenmond:
Natürlich! Aber mal ehrlich so gut wie du bei uns gelaufen bist-da habe ich schon ganz andere erlebt. Also ich bin da zueversichtlich und es muss ja nicht gleich ein Marathon sein

Martin hat gesagt…

@Sinusläufer:
Danke sehr!

Martin hat gesagt…

@Jörg:
Ein wahres Wort, denn schnell kann es dann mal wieder so sein, dass man zum Lehrling wird und seine Wunden lecken muss.

Blumenmond hat gesagt…

Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach. :-)

Saba hat gesagt…

Toller Bericht - und ich drücke für Frankfurt alle Daumen :)

Pienznaeschen hat gesagt…

Danke, wie wunderbar!

Wenn ich das lese, dann juckt es beinahe in meinen Füßen und ich habe das Gefühl etwas zu verpassen - aber ich weiß was mein Marathon ist, der ist eben ein klein wenig kürzer;)