Sonntag, 8. März 2009

Wenn...

du nach einem anstrengenden vorherigen Tag auf der Couch liegst
- dir "die Auswanderer" "Goodbye Deutschland" oder "Wohnen nach Wunsch" anschaust
- der Tag an dir vorbei zieht, ohne dass du ihn wirklich erlebst hast
- du ständig daran denkst was du als nächstes essen könntest
- schon zigmal im Internet gesurft hast ohne zu wissen warum
- du zu Hause bist, aber auch wieder nicht

dann ist es Zeit raus zu gehen, höchste Zeit.
Du ziehst dich an, schaust zum Himmel, lächelst weil dich nun wieder viele für verrückt halten.
Du wählst waserdichte Trailschuhe, ziehst eine dünne Jacke an, ziehst die Schirmmütze tief ins Gesicht. Gehst kurz raus um den FR seine Bestimmung zu ermöglichen, hast den ersten Kontakt zum Regen, lächelst wieder denn er wird nicht siegen heute Abend.
Der FR hat alles was er braucht gefunden, du bist bereit, verabschiedest dich und deine Frau weiß Bescheid, kann ein bisschen mitfühlen warum du es tust.
Der Regen empfängt dich, nicht wie ein Feind sondern er fällt leicht weich und hindert dich nicht zu laufen. Er begrüßt dich eher. Es ist fast dunkel, während du durch die Straße läufst. Genau richtig für heute. Du siehst die vielen Fenster, denkst was wohl die Leute darin tun, wie sie leben, was sie wohl denken wenn sie dich sehen könnten, wenn sie in dich hinein sehen könnten. Würden sie es verstehen? Verstehen wie es ist den Gegenwind zu mögen, weil er dich kühlt, den Nieselregen toll zu finden, dich freiwillig dort hin begibst wovor sie sich fürchten.
Viele kennen Regen nur noch hinter Glas, wenn sie zu Hause aus dem Fenster schauen, die Scheibenwischer ihres Fahrzeugs anmachen. Sie fürchten sich oder sie sind einach müde. Müde vom Leben oder von der Leere die sich langsam in Ihnen breit macht. Wie viele sind wohl einsam in den Wohnungen an denen du vorbei läufst. Kennen die Welt nur noch aus dem Gerät vor dem sie täglich Stunden verbringen.
Du wirst abgelenkt, Autos fahren vorbei, sehen die verwundert an, sind auf dem Weg von hier nach da, während du gar kein Ziel hast, kein Ziel brauchst. Der Weg ist das Ziel, hier stimmt es.
Du bist bei Dir, läufst weiter, langsam, kein Blick zur Uhr. Mittlerweile ist es ganz dunkel. Schön, dann schaust du nur noch wenige Meter vor dich. Bist schon im nächsten Dorf angekommen, was auch kein Problem ist, denn es sind nur 2km. Auch dort kein Mensch auf der Straße.
Später beschließt du umzudrehen, aus dem selben Grund weswegen du los gelaufen bist, es ist einfach die richtige Zeit.
Als du zu Hause vor der Tür stehst, die Jacke ausziehst, klingelst, bist du wieder klar. Hast dem Tag eine schöne halbe oder ganze Stunde abgetrotzt, ganz egal.
Die Tür öffnet sich und deine Frau öffnet dir, lächelt.
Du bist zu Hause. Ganz zu Hause.

Kommentare:

ridlberg hat gesagt…

Oh wie schön!

Hans hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Hannes hat gesagt…

Ein wunderbarer Artikel! Die ersten Absätze, da könnte ich glatt denken, du redest von mir :D

Martin hat gesagt…

@ANJA: Danke schön!:_)

@Hannes: Ich glaube da sind sich alle Läufer ein bisschen ähnlich, denn das ist es ja, was das Laufen ausmacht. Die Gedanken hatten bestimmt schon viele, wenn sie unterwegs sind. Laufen verbindet eben!

Hans hat gesagt…

Oh weh ! Hallonationen am späten Abend ?

Breitbeinig watet zur späten Abendstunde ein „Läufer“ durch die überfüllten Rinnsteine eines
Pirmasenser Nobelviertels. Hinter verschlossenen Fenstern spürt man förmlich die Blicke der Einheimischen. Obwohl er seine Designer Mütze tief im Gesicht trägt wird er von jedermann erkannt.
Er ist wieder da! Der Pfälzerwaldläufer !

Und er weiß genau was bei der Rückkehr zu Hause ihn wartet.
Die Tür wird aufgehen, und eine lächelnde Fee wird sagen : Komm rein mein kleiner Held, das Sandmännchen ist gerade am Fernsehen.

Kerstin hat gesagt…

Schoen! Und auch Hans' Kommentar ;-)
Ich kann das so gut nachvollziehen. Laeufer eben...

Martin hat gesagt…

@Hans : Nobelviertel ? Uaaaahhh !!
Designer Mütze? Ich werf mich weg!
Hans du musste aufhören dieses Zeugs zu rauchen! :-)))
Und das Sandmännchen habe ich doch wirklich verpast!
Ps. Dein Blogeintraf gestern gab den letzten Impuls die Schuhe anzuziehen! Danke.

michi hat gesagt…

Das ist wunderschöööön!

Gerd hat gesagt…

Wunderschön! Einfach wunderschön!
So ist laufen.
Aber was Hans schreibt, gefällt mir auch. :-)

Pienznaeschen hat gesagt…

Wenn ... es so ist, dann ist es wunderbar! Sehr schön geschrieben ...

Hans hat gesagt…

Wenn es mit dem Laufen am Berg einmal nicht mehr klappen sollte, schreiben wir zusammen ein Buch.

"Zwei im Rückwärtsgang"

Martin hat gesagt…

@Ähem, Hans, solltest du nicht schon den Schlaf des Gerechten schlafen? Gilt ja nicht für mich, denn ich habe ja Spätschicht und darf lange wach bleiben.:-)
Werde mir auch mal einen Titel überlegen...